Von Woche zu Woche

Grüne Gummistiefel – und sonst?

 Mal ehrlich. Wenn Sie woanders wohnen würden und das schwarz-weiße „Grüne Wiese“-Plakat von Matze, dem einsamen Angler, sehen – würde Sie das dazu bewegen, die Altmark zu besuchen? Was würden Sie denken, wenn Sie den dazugehörigen Slogan „Wenn Sie mal niemanden mehr sehen wollen“ lesen?

Ok, wenn Sie Angler sind, mag Sie das reizen. Aber sonst? Will ich eine Gegend kennen lernen, die nur grüne Wiese, trostlose Einsamkeit, zu bieten hat?

Die „Grüne Wiese“-Werbekampagne floppt in der Praxis, während sie von den Offiziellen schön geredet wird. Mal abgesehen davon, dass es für wenig Professionalität spricht, wenn die Kieler Werbeagentur, die sie entwickelt hat, Matze, den Angler, vor dem Fotografieren nicht einmal gefragt hat und auf einem Plakat in Berlin „Familienunternehmen mit Herzlickeit“ statt „Herzlichkeit“ steht.

Diese Woche hat das Land erneut 80 000 Euro (plus 20 000 Euro Eigenanteil beider Altmark-Landkreise) für die Kampagne gegeben, konkret für ihren Ausbau im Rahmen des Projektes „Sachsen-Anhalt Regio“. Wie viele Projekte und Randprojekte zur „Grünen Wiese“ gibt es jetzt eigentlich? Ist das eine Beschäftigungstherapie für irgendwelche Leute, die schlaue Sätze zu Papier bringen, die kein Mensch versteht? Auf hunderten Seiten geht es um Vernetzung und Nachhaltigkeit – ich glaube nicht, dass sich irgendjemand diese Konzepte wirklich von Anfang bis Ende durchliest. Das ist nämlich ermüdend.

Beide Altmarkkreise unterstützen diese Werbung ideell – ja was sollen sie sonst auch tun. Schließlich flossen allein in die Entwicklung der Kampagne 400 000 Euro. Die Landräte hätten vielleicht mal beim Landesfest in Köthen aufmerksam beobachten sollen, denn dort wollte der „Grüne Wiese“-Funke ganz und gar nicht überspringen. Soll heißen: Die Köthener und Gäste konnten mit den Botschaften nichts anfangen.

Ministerpräsident Reiner Haseloff findet die Kampagne gut. Über ihn wäre wohl auch ein Sturm hereingebrochen, wenn er etwas anderes sagen würde ...

Jetzt fahren auch noch Busse mit der „Grüne Wiese“-Werbung durch die Lande, stehen Schilder mit dem A-Logo und dem Slogan an vielen Zufahrten zur Altmark. Das A erinnert eher an „Arbeitsamt“ – passt ja irgendwie auch zur Altmark. Und schwarz-weiß kündet von „kein Geld“. Stimmt auch. Die „Grüne Wiese“ verbindet man mit Kühen oder einer unbebauten Fläche vor den Toren einer Stadt. Und der Zusatz „mit Zukunft“ wirkt wie hingeklatscht, weil irgendwo ein positiver Aspekt eingebaut werden musste.

„Die Altmark – grüne Wiese mit Zukunft“ – das ist eher eine Verunglimpfung als eine Werbung. Denn danach gibt es hier keine lebenswerten Dörfer und Städte, keine Kultur – und ja, keine Autobahn.

Das einzig Greifbare an dieser Kampagne sind die Gummistiefel mit Werbung drauf. Gummistiefel kann man in der Altmark tatsächlich gut gebrauchen – zum Beispiel, wenn man neben Matze, dem Angler, am Arendsee sitzt ...

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © Agenturen

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