Landrat will, dass Langzeitarbeitslose den Kreistagssaal mitgestalten

Großes Projekt für Miniwelt

Das Salzwedeler Badehaus steht kurz vor seiner Fertigstellung – zumindest als Modell in den Miniaturwelten.
+
Das Salzwedeler Badehaus steht kurz vor seiner Fertigstellung – zumindest als Modell in den Miniaturwelten.
  • Holger Benecke
    VonHolger Benecke
    schließen

Salzwedel – Landrat Michael Ziche kam gestern mit einem ganz konkreten Auftrag in die Miniaturwelten. Er möchte, dass die Langzeitarbeitslosen mit ihrer Modellbaukunst beim Neugestalten des Kreistagssaal helfen.

Und zwar mit einer Fassadenansicht von für den Kreis bedeutsamen Gebäuden. Ziche hatte diese Idee bereits im Herbst entwickelt, als die Miniaturwelten im Foyer des Landratsamtes einige Modelle ausgestellt hatten. Damals kündigte er sich zu einem Atelierbesuch an der Breiten Straße 3 in Salzwedel an.

Ziche sieht am Mitgestalten der Miniaturwelten an der Saalgestaltung, die für dieses Jahr geplant ist, gleich mehrere positive Effekte: Ein Ansporn für die Langzeitarbeitslosen, deren Selbstwertgefühl durch solch einen Auftrag gestärkt werde. Zudem sucht der Bildungsträger A & A Ausbildung und Arbeit Plus GmbH, der die Miniaturwelt betreut, Möglichkeiten, die Objekte außer in seinen Räumen der Öffentlichkeit auch an anderen Orten zugänglich zu machen.

Ein weiterer entscheidender Punkt: Da das kreiseigene Jobcenter die Miniaturwelten fördert, sei auch die Kostenfrage geklärt, sah Michael Ziche zu Jobcenter-Chef Arnold Schulze. Der nickte.

Landrat Michael Ziche (r.) ließ sich von Miniaturwelten-Chef Burkhard Hammermeister (Mitte) über die im Bau befindlichen Projekte informieren.

Der Landrat, der sich fasziniert von der Detailtreue zeigte, ließ sich in der Atelierwerkstatt von jedem einzelnen Beschäftigten dessen Modell erklären. „Und dabei sind diese tollen Dinge eigentlich nur Beiwerk“, machte Ziche auf den Sinn der Miniaturwelten aufmerksam. Er sieht bei etwa 50 bis 60 Prozent der etwa 2000 Hartz IV-lern im Kreis wenig Chancen, diese noch einmal in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. „Aber sie brauchen eine sinnvolle Beschäftigung, schon allein, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und um eine andere Lebensperspektive zu bekommen“, so der Landrat. Und ergänzte: „Mittlerweile ist auf Bundesebene angekommen, dass wir einen sozialen Arbeitsmarkt brauchen.“

A & A-Geschäftsführerin Katja Stremme und Miniaturwelten-Chef Burkhard Hammermeister (l.) diskutierten mit Landrat Michael Ziche über den sozialen Arbeitsmarkt.

Genau das ist die Lücke, die die A & A Ausbildung und Arbeit Plus GmbH seit November 2009 ausfüllt. Wie Geschäftsführerin Katja Stremme deutlich machte, sei dieses anspruchsvolle Projekt fernab vom A & A-Hauptsitz in Lüneburg nur durch Miniaturweltenchef Burkhard Hammermeister und dessen technischen Mitarbeiter Franz Schwankl möglich gewesen. Die winkten bescheiden ab. „Ohne unsere Teilnehmer hätten wir nichts umsetzen können“, gab Hammermeister das Lob weiter. Auch an Frank Schülmann, Maßnahmeverantwortlicher beim Jobcenter, der darauf achtet, dass er den Miniaturwelten auch Leute schickt, die entsprechendes Geschick haben.

Sabah Habak ist vor vier Jahren aus Syrien geflüchtet. In den Miniaturwelten baut sie die Liestener Kirche.

20 Langzeitarbeitslose sind immer für ein halbes Jahr an der Breiten Straße beschäftigt. Am 1. Februar kommt eine neue Gruppe. Und Hammermeister weiß, was dann folgt: „Das kann ich nicht, das will ich nicht, das mach ich nicht. Und wenn das halbe Jahr rum ist, sagen sie: Kann ich nicht bleiben?“

VON HOLGER BENECKE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare