Kommentar zum Aufstieg des 1. FC Magdeburg in die 2. Fußball-Bundesliga

Ein Glücksfall für die ganze Region

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Der Salzwedeler Michel Niemeyer (Mitte) spielt mit dem 1. FC Magdeburg künftig in der 2. Bundesliga. Mit einem 2:0 gegen Fortuna Köln besiegelten die Magdeburger ihren Zweitliga-Traum.

Ob man nun Anhänger des 1. FC Magdeburg ist oder einem anderen Fußball-Verein die Daumen drückt, sollte in diesem Fall egal sein. Der Aufstieg des FCM in die 2. Fußball-Bundesliga ist nicht nur für die Blau-Weißen, sondern auch für die gesamte Region ein Glücksfall.

Erstmals seit der Wiedervereinigung spielt ein Team aus Sachsen-Anhalt in der zweithöchsten Klasse Deutschlands. Die mediale Aufmerksamkeit wird deutlich steigen, Sponsoren werden angelockt. Eventuell erkennt auch der ein oder andere Investor die Vorzüge, die die Region um Magdeburg und auch die benachbarte Altmark haben, und lässt sich hier nieder. Eine vage Fantasie vielleicht – aber sicherlich nicht ausgeschlossen.

Zudem ist der Aufstieg auch mit einer enormen Aufstockung der finanziellen Mittel des FCM verbunden. Allein die TV-Einnahmen werden im kommenden Jahr auf gut sieben Millionen Euro verzehnfacht. Eine riesige Finanzspritze, deren Inhalt hauptsächlich in infrastrukturelle Projekte fließen soll.

Die Jugendarbeit soll und muss weiter professionalisiert werden. Dazu passt die Verpflichtung von Sören Osterland. Der hochtalentierte Stendaler Fußballlehrer, der als Co-Trainer unter den Fußballgrößen Mehmet Scholl und Stefan Effenberg tätig war, ist seit März für das Nachwuchsleistungszentrum des FCM zuständig und soll es auf das nächste Level hieven – und das ist nötig.

Die A-Junioren sind derzeit auf einem sehr guten Weg, in die Bundesliga aufzusteigen. Das wird ganz neue Herausforderungen an die Jugendabteilung stellen. Zudem muss das Talent-Scouting ausgebaut werden, was die Chance für die hiesigen Nachwuchskicker erhöht, den Sprung zum FCM und vielleicht in den Profi-Fußball zu schaffen. Mit Osterland, der in der Altmark hervorragend vernetzt ist, hat man für diese erforderliche Entwicklung den richtigen Mann an Bord geholt.

Doch man kommt nicht daran vorbei, bei aller Aufstiegs-euphorie auch kritische Worte loszuwerden. Denn die Szenen, die sich in der Aufstiegsnacht auf dem Hasselbachplatz zugetragen haben, haben kein gutes Licht auf den FCM und seine Anhänger geworfen. Bundesweit sorgten diese vermummten Chaoten für Schlagzeilen.

Es wäre absolut falsch, die Magdeburger Fanszene per se zu verurteilen, denn die sehr große Mehrheit ist mindestens bundesligareif. Aber: Offensichtlich gibt es auch eine kleine Gruppierung, die immer wieder für Ärger sorgt. Mehrfach musste der FCM in dieser Spielzeit hohe Geldstrafen zahlen, weil selbst ernannte „Fans“ über die Stränge schlugen.

Zweifelsohne ist der 1. FC Magdeburg mit seinen vielen Anhängern, zu denen ich die Chaoten-Fraktion nicht zähle, eine Bereicherung für die 2. Bundesliga. Aber: Die Fans stehen nun in der Verantwortung. Soll der FCM wie schon andere Ost-Clubs nur mit gewaltbereiten Hooligans in Verbindung gebracht werden? Oder soll er eine positivere Rolle einnehmen?

Zusammengefasst: Schaffen es die Fans und der FCM, die Negativschlagzeilen zu minimieren, gibt es ausschließlich Gewinner durch den Aufstieg: die Stadt, der Club und das ganze Bundesland.

Von Michael Theuerkauf

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