Dr. Gerhard Ruff zeigt anhand der Stadtgeschichte eine neue mögliche Touristenattraktion auf

Ein Glockenhaus für die Hansestadt Salzwedel

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Stadtchefin Sabine Blümel und Ausschusschef Frank Wüstemann betrachteten die Modelle von Dr. Gerhard Ruff (l.) ganz genau.
  • VonPaul William Hiersche
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Salzwedel. Dr. Gerhard Ruff und seine Mitstreiter haben vor, in Salzwedel ein Glockenhaus errichten zu lassen. Dieses soll durch Fördermittel und Spenden finanziert werden. Auf 35.000 bis 40.000 Euro schätzt er die Kosten für das Vorhaben.

Ein Fachmann aus den Niederlanden könnte vor Ort eine Glocke für das Gebäude herstellen.

Dr. Gerhard Ruff brachte zur Veranschaulichung zwei Versionen eines möglichen Salzwedeler Glockenhauses mit in den Marketingausschuss.

„Dr. Gerhard Ruff kam schon in Vorfeld zu mir und schilderte sein Anliegen. Ich unterstütze dieses Projekt absolut“, freute sich Bürgermeisterin Sabine Blümel im Marketingausschuss am Dienstagabend auch darüber, dass keine Kosten für die Stadt anfallen würden. Heimatforscher Ruff hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der Salzwedeler Glockengießerfamilien aus dem 17. und 18. Jahrhundert aufzuarbeiten. Gleichzeitig sieht er durch ein Glockenhaus eine neue Touristenattraktion für die Hansestadt. „Gedenktafeln für jede der acht Glockengießerfamilien und ein neu gegossenes Geläut sollen das Haus schmücken“, so Dr. Gerhard Ruff.

Salzwedel könnte sich daher womöglich zum bisherigen Namen Hanse- und Baumkuchenstadt bald auch Glockenstadt nennen, resümierte die Bürgermeisterin im Ausschuss. Wann das Vorhaben umgesetzt wird und wo in Salzwedel die Attraktion letztlich stehen soll, ist noch nicht festgelegt worden. Ein Standort ließe sich aber sicher schnell finden, so Bürgermeisterin Blümel. Zentral und attraktiv sollte er sein, meinte Dr. Ruff.

Ein Salzwedeler Glockenhaus könnte gleichzeitig ein neuer Touristenmagnet werden, erhofft sich der Heimatforscher. Und vielleicht eine neue Tradition begründen, etwa wenn frisch vermählte Ehepaar nach dem Standesamt die dort befindliche Glocke läuten ließen. Das Gebäude könnte aus Stahl und Glas anstelle von Holz und Ziegeln errichtet werden, kreisten weitere Ideen durch das Hansezimmer.

Die Mitglieder des Marketingausschusses zeigten sich ähnlich wie Stadtchefin Blümel der Idee zugeneigt. Auch wenn Peter Fernitz (CDU) bemerkte, dass einer der beiden von Dr. Ruff zum Ausschuss mitgebrachten Entwürfe ihn eher an ein Vogelhäuschen erinnerten.

Dr. Ruff selbst erläuterte den Anwesenden den Werdegang seines Projektes. Denn Salzwedel sei einst das altmärkische Zentrum des Glockengießens gewesen. „Ich musste mir Informationen aus Magdeburger, Berliner sowie Dresdener Archiven einholen, um das Puzzle der Glockenbauer zu vervollständigen“, erzählt er aus seiner Forschung. Leider seien beim Rathausbrand im Jahr 1895 viele Aufzeichnungen über die hiesige Glockenhistorie zerstört worden.

Salzwedeler Gießer waren besonders von 1652 bis 1787 aktiv. In diesen Jahren entstanden 135 Glocken. Insgesamt acht Familien beherrschten das Handwerk in der Hansestadt und stellten ihre Produkte auch für das Umland her. Sie seien nicht nur Metallurgen, sondern auch Künstler gewesen, erklärte Dr. Gerhard Ruff. Im Zuge des Metallbedarfs im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden etwa 80 Prozent der Salzwedeler Glocken eingeschmolzen.

Von Paul W. Hiersche

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