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Kriminalpsychologin Lydia Benecke analysierte „Die Psychologie des Bösen“ in Salzwedel

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Von: Bernd Zahn

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Lydia Benecke und ihr Lebensgefährte Sebastian Burda auf der Kulturhausbühne. © Zahn, Bernd

Ein Muss, wer sich für Psychologie interessiert, sind die Vorträge von Kriminalpsychologin Lydia Benecke. Und das scheinen viele zu tun. Denn im Salzwedeler Kulturhaus hieß es am Sonnabend: Ausverkauft! 450 Eintrittskarten gingen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

Salzwedel – Aus nah und fern kamen die Gäste – Junge, Junggebliebene und Ältere wollten an dem Vortrag der Autorin für kriminalpsychologische Bücher teilhaben.

Normalerweise sind für die meisten Menschen solche wissenschaftlichen Vorträge so spannend wie die neusten Trends beim Haarscheitel. Doch nicht so an diesem Abend. Das Redetempo von Lydia Benecke war in etwa so schnell wie ein Düsenjäger. Das Publikum lauschte dennoch gespannt, satte drei Stunden. Ein Ohrensessel, eine alte Stehlampe und ein Rauchtisch, auf dem ein Laptop stand, vielmehr benötigte Benecke nicht auf der großen Bühne der Gefühle.

„Drei oder vier Psychopathen sitzen hier unter uns“, sagte sie ohne Umschweife. Keine Sorge, das sind nur Statistiken. Aber wie viel davon steckt in jedem von uns? Kaum ein Thema erzeugt so schnell und heftig Emotionen, wie Verbrechen.

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Voll besetzt: Der Vortrag von Benecke im Kulturhaus war restlos ausverkauft. © Zahn, Bernd

Seit 2009 ist Lydia Benecke als Diplom-Psychologin mit Arbeitsschwerpunkt im Bereich der Gewalt- und Sexualstraftaten tätig. Sie arbeitet in einer Ambulanz für Sexualstraftäter sowie in einer sozialtherapeutischen Anstalt mit männlichen Gewaltstraftätern. Was für die Autorin tägliches Brot ist, dürfte für die meisten Salzwedeler weit weg erscheinen. Sie kennen solche gravierenden Verbrechen wohl eher aus Fernsehsendungen. Intuitiv distanziert man sich von derartigen Taten und dessen ausführenden Tätern. Diese Distanz macht es Tätern aber einfacher, ihre Verbrechen unbemerkt begehen zu können, wie im Beispiel des Serienmörders Ted Bundy. Menschen, die als Monster betrachtet werden, sind natürlich nicht der nette, adrett gekleidete Nachbar von nebenan. Eine gravierende Fehlannahme, die Benecke mit der Präzision eines Chirurgen für das Publikum freilegte.

Eine differenzierte Sichtweise auf die Komplexität von Verbrechen ist notwendig, um Präventionsmethoden auf wissenschaftlicher Basis zu erstellen und Wissenschaftskommunikation in die Bevölkerung zu tragen – und das gelang am Sonnabend. Das erfolgte natürlich nicht nur trocken wissenschaftlich, sondern mit einer ordentlichen Schippe schwarzem Humor.

Die Psychopathie-Checkliste nach Robert Hare wurde Schritt für Schritt analysiert und dabei mehr als deutlich, wer kein Mitgefühl hat, hat auch kein Schuldgefühl, so Kriminalpsychologin Lydia Benecke.

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Monika Jagub aus Tangerhütte (Mitte) und Tochter Katy (r.) ließen als erste ihre Eintrittskarten signieren. © Zahn, Bernd

Der Vortrag endete so, wie er auch angefangen hatte: mit Humor. Zur langen Schlange der Autogrammjäger sagte Benecke nur: „Ich unterschreibe alles: Handyhüllen, Turnschuhe, Eintrittskarten. Ich bin da sehr geduldig.“

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