IM GERICHT: Christ fühlt sich von Moslem beleidigt und schlägt mit Stock zu

Glaubenskampf im Asylantenheim

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(Symbolbild)

Salzwedel – Zwei Männer, ein Holzknüppel – in der Salzwedeler Asylunterkunft an der Lüneburger Straße haben sich Glaubensgegensätze im vergangenen April in Gewalt entladen. Nun musste einer der beiden Protagonisten auf der Anklagebank des Amtsgerichts Platz nehmen.

Der Verwurf: Der 37-jährige Christ habe mit besagtem Knüppel auf sein Opfer, einen Moslem, auf Kopf und Handgelenk eingeschlagen.

Wie genau der Streit an jenem Tag begonnen hat, konnte vor Gericht bislang nicht geklärt werden. Der angeklagte Afghane, der sich dolmetschen ließ, behauptete jedenfalls, es sei der andere gewesen. Dieser habe auch den etwa 30 Zentimeter langen Stock in der Hand gehalten und wollte ihn damit schlagen, behauptete der 37-Jährige. Weil er Christ sei und ein Kreuz um den Hals trug. „Du Ungläubiger! Wir können mit dir machen, was wir wollen“, soll das spätere Opfer gesagt haben.

„Ich habe mich verteidigt“, beteuerte der Angeklagte. Er lasse sich nicht aufgrund seiner Religion beleidigen. Dass er aufgrund seines Wechsels vom Islam zum Christentum des Öfteren ins Visier anderer Asylanten geraten sei, fügte er zu seiner Verteidigung noch hinzu. Außerdem: „Ich achte deutsche Gesetze, soweit ich sie kenne.“

Doch das Polizeiprotokoll und die Zeugenaussage des diensthabenden Wachmanns in der Asylunterkunft zeichnen ein differenziertes Bild des Vorgangs. Ob der Angeklagte sein Opfer erst entwaffnet hat oder von vornherein mit der Waffe in Aktion trat, bleibt unklar. Der 37-Jährige habe den Stock bei seinem Eintreffen vor Ort jedenfalls in der Hand gehalten und sei damit auf seinen Kontrahenten losgegangen, berichtete der Wachmann. Die Videoüberwachung könne aufgrund der verwinkelten Gebäudestruktur nicht zu Hilfe genommen werden, hieß es weiter. Der Wachmann war es, der durch Alarmierung der Polizei den Streit beendete.

„Er wusste, wie man mit so einem Stock umgeht“, sagte der Zeuge. Was ungewöhnlich sei, da ansonsten im Heim nur Fäuste, Tritte und Gürtel zum Einsatz kämen.

Das Opfer ist mittlerweile von der Lüneburger an die Schillerstraße verlegt worden. Interessant: Wie der Richter erwähnte, habe der Mann kein Interesse an einer Strafverfolgung gezeigt.

Staatsanwältin und Richter waren sich am Ende nicht einig darüber, wie mit dem Fall umzugehen sei. Erstere plädierte aufgrund der unklaren Vorgeschichte lediglich auf eine Geldauflage von 200 Euro an eine gemeinnützige Organisation. Der Richter sagte hingegen, ihm reiche das Gehörte für eine Verurteilung. Dennoch reichte er dem Angeklagten zähneknirschend das Angebot der Staatsanwältin weiter. Doch der Afghane wollte keine Bestrafung irgendeiner Art akzeptieren. Er sei das Opfer, wiederholte er. So geht der Fall in die zweite Runde – am Freitag, 1. März. Mit dem Opfer als Zeugen.

VON JENS HEYMANN

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