Nach fast drei Wochen Spektakel am neuen Standort sind die Salzwedeler geteilter Meinung

Glanzlicht oder rote Laterne

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Die Salzwedeler betrachten ihren Weihnachtsmarkt am neuen Standort mit gemischten Gefühlen: Was für den einen Glanzlichter sind, sieht der andere als rote Laternen.

Salzwedel. Der Salzwedeler Weihnachtsmarkt bleibt einigen Hansestädtern in guter Erinnerung, währenddessen das weihnachtliche Spektakel unter dem Rathausturm bei anderen ein großes Grübeln und Kopfschmerzen hervorruft. Und die stammen nicht vom Glühwein.

Nach über zwei Wochen schloss der Markt am Sonntag seine Pforten auf dem Rathausturmplatz. Erst gestern wurde aufgeräumt. Anderthalb Tage lang vermittelte das Zentrum der Hansestadt wegen des überall herumliegenden Strohs den Eindruck eines Rinderoffenstalls.

Der Standort war in diesem Jahr ein anderer. Im Kreuzungsbereich der Salzwedeler Einkaufsmeilen Burg-, Neuperver- und Breite Straße tummelten sich die Besucher auf dem Rathausturmplatz und der Fußgängerzone der Breiten Straße. Durch den neuen Ort herrschte nicht nur mehr Leben in der sonst oft öden Fußgängerzone. Auch der Weihnachtsmarkt war augenscheinlich ein größerer Anziehungspunkt als sonst. Zusätzlich war dieser nicht mehr so trist und versteckt in der Stadt, sind sich einige Salzwedeler einig. Sie hätte das Gefühl gehabt, dass das Weihnachtsmarktareal diesmal größer erschien, erzählte eine Hansestädterin.

Und auch dem Sicherheitsbedürfnis der Menschen wurde genüge getan – Stichwort: vergangenes Jahr in Berlin. In Salzwedel wurden deshalb Straßensperren an der Zufahrt zum Weihnachtsmarkt aufgebaut und die Polizei patrouillierte öfter über das Gelände. „Diese Zäune mit den grünen Planen haben die Sicht auf den Weihnachtsmarkt versperrt. Zudem boten sie keine schöne Atmosphäre“, ärgert sich hingegen Torsten Stoltenberg. Weiter meint er: „Auch ein Kinderkarussell war so dicht neben einem Gemüsestand aufgebaut, dass es dessen Kunden die Füße hätte weghauen können.“ Andere Salzwedeler fanden die Antiterror-Vorkehrungen ein wenig übertrieben.

Andreas Köhler, Pressesprecher der Stadt, sieht in dem diesjährigen Weihnachtsmarkt einen vollen Erfolg. Bürgermeisterin Sabine Blümel hatte vergangen Freitag den Markt nochmals besucht und dort zwei Stunden lang mit Händlern und Besuchern geplauscht, um sich einen abschließenden Überblick zu verschaffen. Und der fiel positiv aus.

Die organisierende Werbegemeinschaft um Jost Fischer war noch nicht in der Lage ein Resümee über den Weihnachtsmarkt zu ziehen.

Von Paul W. Hiersche

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AZ-Kommentare zum Salzwedeler Weihnachtsmarkt

PRO

Lecker gegessen, Freunde getroffen und gefeiert 

Gute Laune muss ich mitbringen, für Glühwein sorgen die Händler

Von Holger Benecke

Sagt mal Leute, was wollt ihr eigentlich? An der Mönchskirche war es nicht schön, auf dem Marktplatz auch nicht und nun solls am Rathausturmplatz nicht das Gelbe vom Ei gewesen sein. Inzwischen haben wir uns durch die halbe Stadt geweihnachtet und gemarktet – und nirgends passt es. 

Holger Benecke

Und was hat Salzwedel zu bieten? Baumkuchen. Das war es dann aber auch. Wir sind nicht Dresden, Annaberg oder Nürnberg, wo die Besucher zu Tausenden hingekarrt werden und wo diese jeden überteuerten Nippes- und anderen Kram einkaufen, als wenn es kein Morgen mehr gäbe. Und wenn würden die Salzwedeler über die vielen Touristen schimpfen, die ihnen das gemütliche Weihnachtsmarktvergnügen vergällen. 

Apropos Weihnachtsdeko, Kunstgewerbe usw. Guckt der Salzwedeler sich auf seinem Markt gerne an, kaufts aber woanders – meistens bei Discountern oder im Netz. Der letzte Anbieter, der vor Jahren aus Lauscha hier war, ist wieder abgezogen, weil er nichts verkauft hat. Und die Händler mit den Weihnachtsgestecken in diesem Jahr auch. Angeblich waren diese zu teuer. Im Wendland wurden den gleichen Händlern die gleiche Ware auf den kleinen und feinen Weihnachtsmärkten fast aus der Hand gerissen. 

Doch zur Sache: Ich fand den diesjährigen Salzwedeler Weihnachtsmarkt gut. Essen, Trinken, Frölichsein – Herz was willst du mehr! Gut, das Fröhlichsein muss man auch wollen – will der Salzwedeler aber nicht. Ich fand den Standort gut gewählt. Unterschiedlichste Versorger an den Eingängen und im Zentrum, die Antiterror-Sperren waren gut versteckt und damit auch der Markt vom Fahrzeugverkehr auf der Neuperverstraße abgeschottet – super Lösung. Weiter so!

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CONTRA

Der Weihnachtsmarkt ist nichts Besonderes 

Nur Futterstände locken niemanden hinter dem Ofen hervor

Von Katja Lüdemann

Wenn ich an Weihnachtsmärkte denke, auf die ich gerne gehe, da fallen mir so einige ein: Hamburg, Dresden, Ulm, aber auch in kleineren Städten locken Mittelalter-Weihnachtsmärkte oder andere Themenmärkte. Alle haben eben ihren ganz besonderen Charme, stechen aus der Masse hervor. 

Der Salzwedeler Weihnachtsmarkt gehört da bestimmt in keinster Weise dazu. Erst diese elendige Diskussion um den neuen Standort auf dem Rathausturmplatz – mehr Besucher dürfte der auch nicht angelockt haben. 

Katja Lüdemann

Besinnliche Stimmung in meinen Augen? Fehlanzeige. Schon allein dieser unglaublich hässliche grüne Vorhang lässt doch wirklich niemanden in Verzückung oder besinnliche Weihnachtsstimmung geraten. Im Grunde genommen war der Salzwedeler Weihnachtsmarkt eine kleine kulinarische Abwechslung für alle, die in der Innenstadt arbeiten und zur Mittagspause mal etwas anderes futtern wollten. Aber auch da ist man den angebotenen Speisen schnell überdrüssig geworden. 

Im Großen und Ganzen war der Salzwedeler Weihnachtsmarkt eine halbherzige Sache. Lieblos bis gar nicht geschmückt und keine anderen Angebote als Futterstände und Glühwein. Gut, wahrscheinlich würden Stände, die Weihnachtsdekoration im Angebot haben, auch leer ausgehen. Ein weiterer Punkt, den ich auch nicht verstehe: Werbung. Der Weihnachtsmarkt wurde doch in keinster Weise beworben oder hat mit einen Anreiz für Besucher auf sich aufmerksam gemacht, um sich abends gemütlich auf ein Heißgetränk zu treffen. Für eines ist der Weihnachtsmarkt in Salzwedel aber gut: Der Altmärker kann seinem liebsten Hobby nachgehen und über alles und jeden nach Herzenslust meckern.

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