Ostern vor 50 Jahren: Als ein einziges Häschen noch für leuchtende Kinderaugen sorgte / Salzwedeler erinnern sich

„Gib dem Kind nicht so viel Süßes“

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Der Maikäfer und der Schokoladenhase: Trotz Wohlstand wie in der guten Stube zu sehen ist, achteten die Eltern darauf, dass ihre Kinder nicht so viele Süßigkeiten in sich hineinstopften.

Salzwedel. Während heute die Supermarktregale gleich nach Weihnachten mit Osterhasen gefüllt werden, freuten sich vor 50 Jahren die Kinder noch über ein einziges Schokohäschen. Wie die Familie Schnerk aus Salzwedel.

Der Pappmaschee-Hase wurde jedes Jahr wieder gefüllt. Jürgen Schnerk (Foto) bekam seinen ersten Osterhasen vor 70 Jahren. In den folgenden Jahrzehnten änderten die Gewohnheiten zu Ostern nicht.

Jürgen Schnerk bekam seinen ersten Osterhasen 1948 – damals, vor 70 Jahren, war er vier Jahre alt.

20 Jahre später hatte sich nicht viel geändert. Süßes zum Osterfest wurde nur spärlich an die Kinder verteilt – auch mit Blick auf deren Gesundheit. Ostern 1968 bei Jürgen Schnerks Schwester, Helga und ihr Mann hatten für das damals dreijährige Töchterlein Heike ein kleines Körbchen mit gefärbten Eiern vorbereitet. Ein Osterhase aus Pappmaschee wurde jedes Jahr erneut mit kleinen bunten Zuckereiern gefüllt. Auch Schokolade gab es: ein Hase und ein Maikäfer. Das war’s. Und die Kinder waren vor Freude aus dem Häuschen.

Der im Gegensatz zu heute spärlich anmutende Ostertisch hatte nichts mit dem oft zitierten „Wir hatten ja nichts!“ zu tun. Im Gegenteil: Auch in der DDR waren die Bürger zu einem gewissen Wohlstand gelangt. Das zeigen auch die Bilder. Im Wohnzimmerbuffet im sogenannten Gelsenkirchener Barock wurde das gute Geschirr präsentiert, das nur zu besonderen Anlässen auf den Tisch kam. Auch der Fernseher, seinerzeit ein Statussymbol, hatte einen Ehrenplatz in der guten Stube. Geheizt wurde noch mit Kachelöfen.

Die dreijährige Heike bekommt von ihrem Vater ein Osterkörbchen. Stolz trägt sie dabei ihre Dederon-Schürze. 

Und: Mutter und Tochter waren ganz modern, trugen Dederon-Schürzen. Dederon gab es seit 1959 und der Name setzte sich aus DDR, an das ein on angefügt wurde, zusammen. Denn die Kunstfaser kam ursprünglich aus den USA und war in der BRD als Nylon auf dem Markt.

Von Holger Benecke

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