Ehrenamt zehrte an der Gesundheit / Müller bleibt Kamerad

Geschätzt, geachtet und ein feiner Kerl

Dezernent Hans Thiele (v.l.) und Salzwedels Feuerwehrchef Wolfgang Nieswandt – hier als Einsatzleitung beim Jahrhundertwaldbrand im Juli 2010 bei Bombeck – schätzen Mario Müller. Er selbst sagt: „Feuerwehr ist kein Hobby – es ist eine Berufung!“ Foto: Archiv / hob

Salzwedel. „Die Führungskräfte der Feuerwehren im Landkreis sind alle ehrenamtlich.

Sie haben jede Menge Lehrgänge absolviert, meistens zwei, drei Posten zu bekleiden und opfern ihre gesamte Freizeit dem Schutz der Bevölkerung“, resümiert Hans Thiele, Leiter Dezernat I im Altmarkkreis. Einer der Unermüdlichen ist Mario Müller. Seit 33 Jahren Feuerwehrmann mit Leib und Seele und noch bis zum 1. Februar Salzwedels Stadtbrandmeister. Dann gibt er seinen Posten ab. Aus gesundheitlichen Gründen. Das Ehrenamt, für das er sich aufgeopfert hat, hat Spuren hinterlassen.

Thiele sieht nach der Generation der Um-die-50-Jährigen, zu der auch Mario Müller (48) gehört, ein großes Loch. „Das sind noch die letzten Beißer“, sagt er mit Respekt. Mit Blick auf den Salzwedeler Stadtbrandmeister resümiert Thiele: „Eine Ära geht zu Ende.“ Salzwedels Feuerwehrchef Wolfgang Nieswandt sieht in Mario Müller einen „sehr ruhigen, sachlichen Kameraden mit unheimlichem Fachwissen – ein feiner Kerl“.

Müller selbst ist ein bescheidener Mensch, der wenig redet und viel handelt. So war er Einsatzleiter beim Waldbrand im Juli 2010 bei Bombeck.

Und er ist keiner, der nur aus dem Einsatzleitcontainer her-aus kommandiert. Heiligabend 2010 absolvierte der Salzwedeler Stadtbrandmeister zusammen mit dem Vize-Wehrleiter der Hansestadt, Karsten Jürgens, einen Höllenritt. Was war geschehen? Eisregen hatte sich auf die Stromleitungen gelegt. Bei Lohne hielten diese die Last nich mehr aus und rissen. Die Region war am Heiligabend ab 16.30 Uhr ohne Strom. Das einzige greifbare 110-KV-Notstromaggregat stand in Lüneburg. Müller und Jürgens holten es. Als sie nach der Fahrt über völlig vereiste Straßen am ersten Weihnachtsfeiertag gegen 1 Uhr endlich nach Hause fuhren – Lohne hatte inzwischen dank der beiden wieder Strom – zogen die Salzwedeler Feuerwehrführer auch noch einen Pkw aus einer Schneewehe.

Das Ehrenamt zehrte an der Gesundheit. Mario Müller wird ab 1. Februar einfacher Feuerwehrmann in seinen alten 2. Zug sein. Mit 15 Jahren hatte er als Junger Branschutzhelfer angefangen, war dann mit 16 schon aktiver Feuerwehrmann – das ging zu DDR-Zeiten. 1992 wurde Müller Gruppen- und vier Jahre später Zugführer in der Salzwedeler Wehr. 2003 wählten ihn seine Kameraden zum Vize-Wehrleiter, 2009 zum Stadtbrandmeister der 27 Freiwilligen Feuerwehren.

Von Holger Benecke

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