Sozialhilfeempfänger von der Arendseer Straße finden keine Ausweichquartiere

Geringes Wohngeld hemmt Abriss

+
Der Rückbau auf drei Etagen läuft. Eigentlich müsste das Baugebiet Arendseer Straße komplett abgerissen werden.

Salzwedel. Das geringe Wohngeld in Salzwedel hemmt den weiteren Abriss und Rückbau von Blöcken am Stadtrand. Denn: In der Hansestadt bekommen Arbeitslosengeld II-Empfänger 3,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche Kaltmiete.

Das ist neben dem Landkreis Stendal der geringste Wert in ganz Sachsen-Anhalt. Zu diesem Mietpreis können die Großvermieter Wohnungsbaugesellschaft und -genossenschaft nur unsanierte bzw. gering sanierte Wohnungen anbieten. Sozialhilfeempfänger können folglich nicht in sanierte Wohnungen umgesetzt werden, weil diese teurer als 3,50 Euro je Quadratmeter sind. Im Umkehrschluss heißt das: Die Sozialhilfeempfänger sitzen in Wohnungen, speziell im Gebiet Arendseer Straße, die eigentlich abgerissen werden sollen. Sie können aber nicht woanders hin, weil dort die Miete teurer ist als 3,50 Euro, die es vom Amt gibt.

Solche Sechsgeschosser soll es bis 2020 nicht mehr geben.

Die verzwickte Lage: Es müssen weitere Wohnblöcke fallen bzw. rückgebaut werden, weil Salzwedel deutlich schrumpft und man mithilfe des Förderprogramms „Stadtumbau Ost“ gewappnet sein will. Weit mehr als 800 Plattenbauwohnungen mit Schwerpunkt Arendseer Straße sind schon plattgemacht worden. Aber das reicht noch lange nicht aus. Die dort lebenden Salzwedeler konnten in sanierte Wohnungen an der Uelzener- und Thälmann-Straße umziehen, aber „diese bisher erfolgreiche Umsetzung ist nunmehr an ihre Grenzen gestoßen, da adäquate und nachfragegerechte Zielwohnungen fehlen“ oder eben teurer als 3,50 Euro sind, schreibt die Irxlebener Planerin Jaqueline Funke in der neuesten Fortschreibung des Salzwedeler Stadtentwicklungskonzeptes, das die Jahre bis 2020 im Blick hat. Das Konzept bilanziert, dass zurzeit in ganz Salzwedel zirka 1380 Wohnungen leer stehen, die meisten davon in den Plattenbauten. Aber auch die Altperverstraße sowie die Wohngebiete Thälmann-Straße und Uelzener Straße fallen in diesem Zusammenhang durch hohen Leerstand auf. Der Rückbau konnte bisher lediglich verhindern, dass sich der Leerstand noch verschlimmert. Diesen abzubauen, sei nicht gelungen, heißt es im Konzept weiter.

Bis 2020, so die Prognose, werde die Nachfrage nach Wohnungen in Drei- und Mehrfamilienhäusern deutlich zurück gehen. Im Jahr 2020 würden, sollte der Rückbau und Abriss nicht weitergehen, allein in den Plattenbauten knapp 1900 Wohnungen leer stehen. Das ist eine Verdopplung im Vergleich zu jetzt. Weil ein „vollständiger Gebäuderückbau“ im Wohngebiet Arendseer Straße nicht so schnell machbar ist, weil für die Mieter so genannte Zielwohnungen fehlen, empfiehlt das Konzept als Zwischenschritt, zunächst 534 weitere Wohnungen bis 2020 platt zu machen.

Von Ulrike Meineke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare