Freude hier, Enttäuschung dort

Im Gericht: Drogenprozess – Angeklagte erleben Urteile unterschiedlich

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Der Augenblick unmittelbar vor der Urteilsverkündung: Der Salzwedeler Drogenprozess gegen sieben Angeklagte lief seit Mitte Oktober vor dem Landgericht Stendal. Revision ist möglich, die Frist dafür hat begonnen.

Salzwedel / Stendal – Freude und Leid waren beim letzten Verhandlungstag im Salzwedeler Online-Drogenprozess vor dem Stendaler Landgericht eng beieinander.

Wieder auf freiem Fuß: Angeklagter 5 erhielt eine Bewährungsstrafe.

Während ein Angeklagter nach mehreren Monaten Untersuchungshaft auf freien Fuß gesetzt wurde – und sich mit Angehörigen vor dem Gerichtsgebäude erleichtert in den Armen lag – musste ein anderer erneut mit Handschellen den Weg zur Justizvollzugsanstalt antreten. Trotz Geburtstag und der Familie in den Zuschauerreihen gab es keine Möglichkeit zum näheren Kontakt.

Bitterer Geburtstag: Angeklagter 4 bleibt in Handschellen und Haft.

Die Verteidiger hatten zuvor noch einmal alles versucht. Sie versuchten, die Verantwortung auf den Kopf des Drogenhandels (Angeklagter Nummer 1, Details siehe Infokasten unten) zu schieben und somit auch den Vorwurf des bandenmäßigen Handels (was hart bestraft wird) zu zerstreuen. Doch für eine Bande brauche es keine gleichberechtigten Partner, argumentierte das Gericht. Auch dort seien Hierarchien möglich. Sechs der sieben Angeklagten bedauerten ihr Handeln. „Eventuell schreibt mir der eine oder andere einen Brief“, so der Hauptangeklagte im Wissen, für längere Zeit ins Gefängnis zu gehen. Andere gaben an, aus der Untersuchungshaft genügend Lehren fürs Leben gezogen zu haben. Und Drogen wollten sie nie wieder anrühren.

VON JENS HEYMANN

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