Bildungsförderung seit 1607

Gercken’sche Familienstiftung gehört zu den ältesten Deutschlands

Mann und Frau
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Eckart Reihlen aus Calvörde soll die Nachfolge von Patrona Christiane Peters antreten.
  • VonArno Zähringer
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In Deutschland gibt es schätzungsweise 600 Familienstiftungen. Eine davon in Salzwedel. Sie besteht seit mehr als 400 Jahren.

Salzwedel - Die Nicolaus Gercken’sche Familienstiftung mit Sitz in der Großen St.-Ilsen-Straße 22 gilt deshalb als eine der ältesten Stiftungen in Deutschland. Sie unterstützt die akademische Ausbildung der Nachkommen des 1579 in Salzwedel verstorbenen Gewandschneiders und Bürgermeisters Nicolaus Gercken, berichten Christiane Peters und Dr. Eckart Reihlen im Gespräch mit der AZ.

Und das sind nicht gerade wenig. Seit 1610 sind mehr als 8000 Mitglieder aufgenommen worden, die ihre Nachkommenschaft per Stammbaum nachweisen müssen. Das Statut der Stiftung definiert auf Basis genealogischer Tabellen von 1854, wer ein sogenannter Familiant ist. Auch Angeheiratete können zu dieser Gruppe zählen. Schließlich gehe es auch darum, mehr junge Leute fördern zu können, sagt Reihlen. Allerdings haben in der Vergangenheit nicht alle Familianten insgesamt ein Stipendium erhalten. Bis zu 1810 Euro sind möglich. Mit dem Geld soll das Studium begleitet werden, betont Peters.

Doch wie finanziert sich die Familienstiftung? Sie verfügt über etwa 115 Hektar Land, von dem der größte Teil als Acker-, Grün-, Gartenland, als Land zur Gasförderung und als Erbbaurecht verpachtet ist. Die Land-, die Jagdpacht und die Vermarktung der Überleitungsrechte sind die Haupteinnahmequellen der Stiftung, deren Mitglieder ehrenamtlich arbeiten. Damit unterstützt die Stiftung seit 1648 junge Familianten finanziell. „Sollten wir vernünftige Angebote erhalten, sind wir auch künftig am Ankauf von Land interessiert“, sind sich Peters und Reihlen einig.

In der Großen St.-Ilsen-Straße 22 ist die Gercken’sche Familienstiftung untergebracht.

Am 17. September 1647 erhielt Sebastian Gercken von der Salzwedeler Familie die schriftliche Legitimation, die Stiftungsverhältnisse nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs (1618 bis 1648) neu zu ordnen. Seit 1648 konnten Stipendien gezahlt werden. Paul Gerhardt schließlich ist es zu verdanken, dass die Stiftung seit 1986 wieder errichtet wurde, die die beiden totalitären Regime des 20. Jahrhunderts auf deutschem Boden überlebt hat.

Im Jahr 2013 wurde mit Christiane Peters zum ersten Mal eine Frau ins Patronatsamt berufen. Doch das wird sich ändern, denn beim 27. Familientag, dem obersten Organ der Stiftung, im Mai kommenden Jahres in Salzwedel soll Eckart Reihlen (bislang als Webmaster für die Stiftung tätig) Peters‘ Nachfolge antreten – sofern die Versammlung zustimmt. Reihlen hat den Internetauftritt der Stiftung auf Vordermann gebracht. Um auch international noch mehr Beachtung zu finden, soll bald eine englische Version eingestellt werden. Zudem wurde die Stiftungsarbeit digitalisiert und in die Cloud gelegt. Dadurch sei es möglich, dass das Arbeiten für die Stiftung von jedem Platz der Welt möglich ist.

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