Platz da, jetzt komm ich!

Genervte Anwohner in Salzwedel leiden unter rücksichtslosen Radfahrern

Das Aufstellen von Verkehrsspiegeln war vor zwei Jahren wie hier an der Auffahrt vom Warthering zur Braunschweiger Straße kein Problem. Nun sind sie keine Verkehrszeichen mehr – eine Genehmigung so gut wie aussichtslos.
+
Das Aufstellen von Verkehrsspiegeln war vor zwei Jahren wie hier an der Auffahrt vom Warthering zur Braunschweiger Straße kein Problem. Nun sind sie keine Verkehrszeichen mehr – eine Genehmigung so gut wie aussichtslos.

Salzwedel – Anwohnerin Iris Fuchs hadert mit dem Verkehr an der Braunschweiger Straße – sowohl auf der Fahrbahn als auch auf dem Gehweg. Sie schilderte am Dienstag dem Verkehrsausschuss in ihrer Not als Oma mit Kinderwagen die Lage auf dem Bürgersteig.

Rücksichtslose Radfahrer, die sie auch noch aufs Übelste beschimpfen, wenn sie nicht schnell genug Platz macht. Zumal der dortige Gehweg nur ein solcher und kein Radweg ist. Die Velozipedisten müssen also zwingend die Straße benutzen.

Weiter nahm Iris Fuchs den Schwerlastverkehr, der ab 4 Uhr über die Braunschweiger Straße donnert, aufs Korn. Als Autofahrerin komme sie kaum vom Grundstück, als Radfahrerin auf der Straße habe sie Angst. Vom Fachausschuss wollte Iris Fuchs wissen, ob der Fahrzeugverkehr nicht auf 30 Stundenkilometer begrenzt und die Tonnage heruntergesetzt werden könne, um die großen Laster auf die Bundesstraßen umzuleiten. Zudem plädierte sie für einen Radfahrstreifen auf der Braunschweiger Straße.

Rede und Antwort stand ihr Oberkommissar Peter Klahs. Der Verkehrsexperte der Polizei fungiert als Berater im Verkehrsausschuss. Zunächst stellte Klahs dar, dass der Gehweg nicht ausgeschildert zu werden braucht und damit ein Gehweg ist, der es Radfahrern untersagt, dort zu fahren. Denn diese sollen mit Absicht auf der Straße fahren, um den Verkehr zu bremsen, zu beruhigen, erläuterte Klahs die Gedanken, die bereits in die Planung vor dem Bau der Straße eingeflossen waren.

Ein Radfahr- oder ein Schutzstreifen auf der Fahrbahn – beide würden nicht den Zweck erfüllen, den sie vorgaukeln. Es müsse auf der Fahrbahn genug Platz für zwei Großfahrzeuge im Begegnungsverkehr bleiben, dann wäre ein Streifen möglich. Oder es müsste eine ganz schmale Straße sein, die aber nur in eine Richtung führt, erläuterte der Oberkommissar die Gesetzeslage. Auch für eine Geschwindigkeits- bzw. Tonnagebegrenzung sieht Klahs keine rechtliche Handhabe.

Ausschussvorsitzender Lothar Heiser kennt die prekäre Lage, kann aber auch nichts machen. Die Lkw-Fahrer würden immer den kürzesten Weg nehmen. Und: „Der Radfahrer hat auf dem Fußweg nichts zu suchen. Es sei denn – er schiebt.“

Fazit: Iris Fuchs konnte nicht geholfen werden. Ähnlich auch Stadtrat Renee Sensenschmidt (Freie Fraktion). Der fragte nach einem Verkehrsspiegel gegenüber der Marschfeldauffahrt auf die Braunschweiger Straße. Diesen Zahn zog ihm ebenfalls Peter Klahs. Verkehrsspiegel gehören nicht mehr zu den Verkehrszeichen. Diese müssten nämlich gewartet, sprich geputzt, werden. Doch wer soll das jeden Morgen machen? Einen Verkehrsspiegel genehmigt zu bekommen – das sei heutzutage kaum noch möglich.

VON HOLGER BENECKE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare