Dr. Wulf Wiechmann geht in den Ruhestand – Anika Leonhardt übernimmt

Generationenwechsel in der Salzwedeler Praxis

Dr. Wulf Wiechmann und seine Nachfolgerin Anika Leonhardt: Die Fachärztin für Allgemeinmedizin übernimmt in Salzwedel ihre erste Niederlassung. Sie stammt aus Seehausen und arbeitete zuvor als angestellte Ärztin.
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Dr. Wulf Wiechmann und seine Nachfolgerin Anika Leonhardt: Die Fachärztin für Allgemeinmedizin übernimmt in Salzwedel ihre erste Niederlassung. Sie stammt aus Seehausen und arbeitete zuvor als angestellte Ärztin.

Salzwedel – „Sie haben ja genauso lange praktiziert, wie ich alt bin“, sagt Anika Leonhardt ehrfürchtig zu Dr. Wulf Wiechmann.

Nach 39 Jahren hört der 65-jährige Salzwedeler Facharzt für Innere Medizin auf, und die Fachärztin für Allgemeinmedizin tritt in seine Fußstapfen. Zum 1. Oktober übernimmt sie seine Praxis an der Burgstraße.

Ein Bild aus DDR-Zeiten: Bis nach der Wende arbeitete der Arzt im Salzwedeler Krankenhaus.

Für die Medizinerin, die ursprünglich aus Seehausen stammt und in den vergangenen Jahren als Angestellte im niedersächsischen Stade gearbeitet hat, ist es die erste eigene Niederlassung. Anika Leonhardt spricht vom nächsten Schritt, der in Frage kam. „Irgendwann kommt die Frage, wo man mal hinwill“, erklärt die 39-Jährige. Mit ihrem Mann habe sie über ihre berufliche Perspektive geredet und sich dann für die eigene Niederlassung entschieden. Dr. Wiechmann ist froh, eine Nachfolgerin gefunden zu haben. „Noch vor einem Jahr hätte ich das nicht gedacht“, erinnert der Arzt an die Schwierigkeiten, medizinische Versorgung auf dem Land zu sichern. Der Kontakt zu Anika Leonhardt sei über die Praxisbörse der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt zustande gekommen. „Der ganz offizielle Weg“, so der Salzwedeler.

Für die Patienten soll sich wenig ändern. Der Stamm werde übernommen, einen Aufnahmestopp für neue Patienten beabsichtigt Leonhardt nicht. Auch das Personal soll dasselbe bleiben. „Das einzige neue Gesicht bin ich“, meint die Ärztin.

Neu mit einer Niederlassung war Dr. Wulf Wiechmann ebenfalls einmal. Zehn Jahre hatte er davor im städtischen Krankenhaus gearbeitet. Die bauliche Situation sei damals in der Inneren Abteilung teilweise desolat gewesen, blickt er zurück. Gerätetechnisch kein Vergleich zu heute. Auch bestimmte Vorgänge wie ambulante Endos-kopien (beispielsweise Magen- oder Darmspiegelungen) hätte es nicht gegeben. Als es ab 1987 ein Siemens-Ultraschallgerät im Krankenhaus gegeben hat, sei das ein Quantensprung gewesen.

Der Arzt spricht nicht umsonst von der Wende als einschneidendes Erlebnis, auch beruflich. „Ich konnte viel mehr machen als vorher“, so Dr. Wiechmann. Technisch sei es gewaltig nach vorne gegangen. Die Lücken im Umgang mit den neuen Geräten wurden geschlossen. Und aus dieser Aufbruchstimmung heraus habe er sich dann auch 1991 niedergelassen.

Doch nicht nur die Technik, auch die Patienten hätten sich seit damals verändert. „Sie sind besser informiert, kritischer und anspruchsvoller geworden“, meint der 65-Jährige. Durch das Internet hätte sich Wissen, aber auch manche Verunsicherung angesammelt.

29 Jahre praktizierte Dr. Wulf Wiechmann an der Burgstraße – ab 1. Oktober steht an der Tür ein neuer Name.

Eine Herausforderung, die beide Mediziner derzeit erleben, ist die Corona-Pandemie. Da gäbe es zwischen Arzt und der übrigen Bevölkerung nur wenige Unterschiede; Risiko und Ansteckungsgefahr bestehe für alle, schätzt Anika Leonhardt ein. Was ihr hilft: Im Medizineralltag spielt Desinfektion ohnehin eine große Rolle. Dr. Wiechmann hat seinerseits in den vergangenen Monaten beobachtet, dass eine Praxis auch mal nicht überlaufen sein kann. „Viele haben sich nicht getraut“, weiß er. Nun, nach 39 Jahren, zieht der 65-Jährige einen Schlussstrich unter seine Arztlaufbahn – und freut sich über seine Nachfolgerin. VON JENS HEYMANN

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