Nach Regierungskrise in Berlin: Die Ruhe vor dem Sturm oder nur ein Sturm im Wasserglas?

Gelassenheit am Brennpunkt: Altmark-Zeitung sah sich an Deutschlands Grenze um

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Grenzübergang Kiefersfelden (Bundesstraße): Ungehindert rollte dort am Sonnabend der Verkehr. Foto: ct-press

Berlin / Kiefersfelden. Fliegt in Berlin die Bundesregierung auseinander, wenn Innenminister Horst Seehofer (CSU) die Anweisung erteilt, bereits in anderen EU-Ländern registrierte Flüchtlinge an der deutschen Grenze zurückzuweisen? Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt das strikt ab.

In Berlin herrschte am Wochenende dicke Luft, im Brennpunkt des Geschehens dagegen Gelassenheit. Die Altmark-Zeitung sah sich am Sonnabend im Kiefersfelden im Süden Bayerns um.

Die dortige Grenze spielt eine zentrale Rolle in der Diskussion. Dort erreicht die sogenannte Brennerroute, die von Italien über den Brennerpass und die Inntalautobahn führt, deutsches Territorium.

Schon seit langem kontrolliert die Bundespolizei auf der Autobahn 93 den Einreiseverkehr, um nach illegalen Einwanderern zu suchen. Im Schritttempo rollt die aus Österreich kommende Autokolonne am Kontrollpunkt vorbei. Verdächtig erscheinende Fahrzeuge werden herausgewinkt und unter die Lupe genommen.

An diesem Tag geht es ruhig zu. Die Verzögerung hält sich in Grenzen. Es ist noch keine Urlaubszeit. Nur wenige Kilometer entfernt, am Übergang auf der Bundesstraße 171, rollt alles ungehindert durch.

Ein ruhiger Nachmittag für die Bundespolizei, die dort mit einem Fahrzeug Wache hält. Von den Vorgängen in Berlin wisse er auch nur aus dem Fernsehen, erzählt ein Beamter. Neue Weisungen, die bald in Kraft treten könnten, kenne er nicht. Seine Meinung zum Flüchtlingsstreit will er nicht verraten. Informationen erteile die Pressestelle. Er hoffe, dass es nicht noch einmal so schlimm werde wie 2015.

Auf dem Höhepunkt der Krise passierten täglich hunderte Flüchtlinge bei Kiefersfelden die Grenze, viele zu Fuß. Am Sonnabend ist kein einziger zu sehen. Etwa 20 Fahrzeuge rollen in den rund 20 Minuten, in denen die AZ mit der Polizei die Situation beobachtet, ungehindert durch. Sporadische Einreisekontrollen, bei denen der Ausweis und der Führerschein vorzulegen sind und der Kofferraum zu öffnen ist, gibt es aber auch dort.

Von Christian Wohlt

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