Gegensätze in der Corona-Zeit

In Salzwedel: „Zur Post“ und „Hansehof“ schließen – „Meso Dishes“ eröffnet

Der „Hansehof“ an der Hohen Brücke: Das Objekt hat unter anderem einen gern genutzten Festsaal. Dieser bildete das finanzielle Rückgrat der Betreiberfamilie.
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Der „Hansehof“ an der Hohen Brücke: Das Objekt hat unter anderem einen gern genutzten Festsaal. Dieser bildete das finanzielle Rückgrat der Betreiberfamilie.

Salzwedel – So langsam gehen die Lichter in den Restaurants wieder an. Doch im Hotel und Restaurant „Zur Post“ an der Breiten Straße in Salzwedel bleiben sie aus. Betreiberin Nadine Mewes und ihr Mann Kevin werfen nach fünfeinhalb Jahren das Handtuch.

Die Corona-Krise hat ihnen das Geschäft verhagelt. Ihr Gewerbe haben sie zum Monatsende abgemeldet.

Hotel und Restaurant „Zur Post“: Die Corona-Lockerungen hätten nicht ausgereicht, so Nadine Mewes.

Das liegt weniger an der „Post“, sondern vielmehr am „Hansehof“ die Straße schräg gegenüber, wie Nadine Mewes im Gespräch der AZ mitteilt. Mit den dortigen Feiern wurde das nötige Geld verdient. Die „Post“ sei eher Nebengeschäft gewesen.

Ganz anders die Situation an der Neuperverstraße: Vereinzelt schauen Neugierige durch die Scheiben, um etwas im Inneren der Hausnummer 52 zu erspähen. Inhaber Syaband Haji will sein „Meso Dishes“ genanntes Restaurant, eher ein Bistro, am kommenden Mittwoch, 27. Mai, endlich eröffnen. Mehr als zwei Monate habe er darauf warten müssen. Auch ihm sei die Corona-Krise dazwischengeraten; nun aber wolle er loslegen.

Nadine Mewes gibt das Hotel und Restaurant „Zur Post“ sowie den „Hansehof“ zum Monatsende auf. Fünfeinhalb Jahre hat sie beide Lokalitäten betrieben.

Zurück zu Nadine Mewes: Anfangs habe sie gedacht, die Einschränkungen würden nicht so lange dauern. „Naiv“ beschreibt sie ihr damaliges Denken aus heutiger Sicht. Bereits Ende März habe es ihr gedämmert, dass die Krise existenzbedrohend sein könnte. Im April sei dann die Entscheidung zur Geschäftsaufgabe gefallen. Die staatlichen Hilfen hätten bei Weitem nicht ausgereicht, um über die Runden zu kommen, und Schulden wollte die 34-Jährige nicht machen. „Vielleicht, wenn es ein Familienbetrieb gewesen wäre.“ So aber war die gelernte Köchin lediglich Pächterin.

Syaband Haji will am Mittwoch eröffnen.

Miete und andere Abhängigkeiten hat Syaband Haji, der aus dem Irak stammt und seit rund 20 Jahren in Deutschland lebt, nach eigenen Angaben hinter sich gelassen. Auch er hatte zuvor ein ähnliches Geschäft auf der anderen Seite der Neuperverstraße – aber als Mieter. Nun sei er sein eigener Hausherr. Seinen Laden hat er modern gestalten lassen. So etwas gebe es sonst in Salzwedel nicht, ist er sich sicher. Die Corona-Krise nimmt er scheinbar gelassen hin. „Ohne Essen geht es doch nicht“, meint er. Und sieht, dass andere Geschäfte in der Gegend längst wieder arbeiten.

Was Nadine Mewes nach ihrer Selbstständigkeit machen will, sei noch offen, sagt sie der AZ. Ihr Mann wolle auf jeden Fall in der Küche bleiben. Innerlich habe sie reinen Tisch gemacht.

Die derzeitigen Corona-Lockerungen hätten nichts geändert, versichert sie. Von den wenigen Tischen in der schlauchartigen „Post“ hätten sie und ihre zehn Mitarbeitern nicht leben können. Die Feiern seien nicht zu ersetzen. „Das Ende hätten wir uns anders gewünscht. Unser Herz hing daran“, so Mewes.

VON JENS HEYMANN

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