Linke Gruppen marschieren durch Salzwedel / Rund 50 Hansestädter schlossen sich an

Gegen Rechts und gegen den Staat

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Der Demonstrationszug verlief auch über die Goethestraße. Dort waren die Zeichen der Nacht zum 3. Oktober immer noch deutlich sichtbar. Unbekannte hatten teils rechte Parolen an Häuserwände und Einrichtungen geschmiert. Das hatten die linken Demonstranten zum Anlass für die Aktion in Salzwedel genommen.

Salzwedel. „Der Umzug verlief friedlich und seitens der Demonstranten ohne polizeilich relevante Vorkommnisse“. So das Statement der Polizei, nachdem am Sonnabend rund 250 Teilnehmer einer linken Demonstration durch Salzwedels Innenstadt zogen.

Durch eine „angemessene, polizeiliche Präsens konnten erkannte Personen des rechten Spektrums, eine zwölfköpfige Personengruppe, vom Aufzug ferngehalten werden. “.

Das Motto der Demo „Den rechten Konsens brechen, Nazistrukturen aufbrechen, Rassismus bekämpfen“: Anlass waren die jüngsten Schmierereien mit rechten Inhalten. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Es sollen, so hieß es, vier Täter gewesen sein. Ermittelt ist aber noch keiner.

Viele Schmierereien waren bereits beseitigt, aber einige noch nicht. Auch entlang der Marschroute gab es noch Zeichen, deren Bedeutung darauf hinwies, dass sie im Zusammenhang mit den Ereignissen in der Nacht zum 3. Oktober stehen. Teilnehmer der Demo überklebten einige der Parolen und Zeichen mit eigenen Flugblättern und Aufrufen.

Während der zentralen Kundgebung auf dem Rathausturmplatz, an dem sich auch viele Zuschauer eingefunden hatten, teilte der Versammlungssprecher tüchtig aus: Salzwedel sei auf dem rechten Auge blind, hieß es. Die Schmierereien seien ein Ergebnis der Inkonsequenz gegen rechtes Gedankengut. Und es wurde auch die große Politik bemüht. Das Asylrecht sei menschenfeindlich, hieß es weiter. Auf den Transparenten wurde unmissverständlich erklärt, gegen wen man auch kämpferisch, militant, zu Felde ziehen möchte: Gegen Rechte, gegen das Kapital, gegen den Staat.

Einige Salzwedeler marschierten mit – im Schatten des schwarzen Blocks und dessen Banner durch die Hansestadt. Unter ihnen auch Hans-Jürgen Friedrich, Aktivist in der Initiative gegen CO2. „Ich hätte mir gewünscht, es wären noch mehr gekommen“, sagte er gegenüber der Altmark-Zeitung. Er freue sich aber, dass Gorleben-Gegner unter den Demonstranten seien. Die Polizei hatte im Vorfeld mit 100 Teilnehmern gerechnet, es wurden schließlich rund 250. Einige von ihnen waren noch lange in der Stadt und besuchten unter anderem ein Konzert im Hansa an der Altperverstraße.

Die Autofahrer mussten zwischen 15.30 und 17.40 Uhr mit erheblichen Behinderungen in der Innenstadt leben. Es betraf, so die Polizei, aber vorwiegend den Individualverkehr.

Von Harry Güssefeld

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