SB-Pächterin Heike Burchardt: „Die Landesbehörde dreht mir den Hahn zu“

Bau gefährdet Jobs

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SB-Tankstellen-Pächterin Heike Burchardt ist stinksauer. Ab Juni soll die Thälmannstraße ausgebaut werden. Wie, darüber lässt Landesstraßenbaubehörde die Anliegerin bis heute im Dunkeln stehen.

Salzwedel. „Dann kann ich meine Tankstelle schließen. “SB-Pächterin Heike Burchardt ist auf dem Kriegspfad. Ihr Gegner: die Landesstraßenbaubehörde (LSBB) oder besser deren Praktiken.

Die LSBB will die Thälmannstraße (B 71) ab Juni von der Kino-Kreuzung in Richtung Innenstadt auf Vordermann bringen.

Davon hat Burchardt aus der Altmark-Zeitung erfahren. Über Einzelheiten weiß sie als betroffene Anliegerin nichts. Mitarbeiter der LSBB waren bereits im vergangenen Jahr im Februar bei ihr. Dort erfuhr sie von den Ausbauabsichten, die eigentlich schon im vergangenen Sommer laufen sollten, aber auf dieses Jahr verschoben wurden. Zeit genug also, die Pächterin in Einzelheiten einzuweihen bzw. abzusprechen, wie der Tankstellenbetrieb und die Baumaßnahme laufen könnten. Nichts dergleichen ist geschehen. Ähnlich wie beim LSBB-Bau in Hoyersburg (B 248) werden die Anlieger im Dunkeln gelassen und mit Baubeginn vor vollendete Tatsachen gestellt.

Die LSBBler, die vor einem Jahr bei Burchardt waren, haben die Geschäftsfrau nicht etwa über den vorgesehenen Bauablauf informiert, sondern wollten nur eine Unterschrift von ihr. Dafür, dass während der Bauphase die Technik auf den Grünflächen ihrer Tankstelle abgestellt werden kann. Burchardt willigte ein, da sie sich einem Straßenbau nicht in den Weg stellen will. Inzwischen überlegt sie jedoch, ihre Zustimmung wieder zurückzuziehen – auf Grund der Praktiken der LSBB.

Denn wenn die Straße aufgerissen wir, haben ihre Kunden keine Möglichkeit, auf das SB-Gelände abzubiegen. Dies wäre zwar über die Ampelkreuzung Filmpalast und dann durch das Wohngebiet Arendseer Straße möglich. Doch wer fährt schon diesen Umweg, wenn 200 Meter weiter die nächste Tankstelle ist?

„Ich kann zumachen“, schlussfolgert Burchardt. Das beträfe dann allein bei SB neun Arbeitsplätze. „Straßenbau ohne Rücksicht auf Arbeitsplätze. Ich bin für die Menschen in meinem Team verantwortlich – nur die Mitarbeiter einer Behörde, die von unseren Steuern bezahlt werden, die wir mit der Tankstelle erarbeiten, machen uns den Betrieb dicht“, offenbaren sich der Geschäftsfrau merkwürdige Praktiken der Landesbehörde. „Und es betrifft ja nicht nur mich“, blickt Burchardt auf die Märkte und Geschäfte in der Nachbarschaft. „Straßenbau muss sein. Aber nicht auf Kosten jener, die das Geld für diese Straße erarbeiten“, schimpft Burchardt über die Nicht-Informationspolitik der LSBB. Und holt zum Rundumschlag aus: „Da kann auch gerne noch das Finanzamt zu mir kommen – im Juni habe ich viel Zeit. Dann habe ich nämlich zu, weil mir eine andere Börde die Zufahrt zu meinem Geschäft verrammelt hat.“ Burchardt ist stinksauer, dass weder LSBB-Mitarbeiter noch Politiker mit den Betroffenen reden und versuchen, eine gemeinsame Lösung zu finden. So beschleicht die Geschäftsfrau der Verdacht: „Die Landesbehörde macht es sich zu einfach. Es ist schon wieder wie zu DDR-Zeiten – da haben auch die Genossen vom Bezirk Kraft ihres Amtes von oben herab angeordnet.“

Von Holger Benecke

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