„Der Nussknacker“: Die Gesetze der Schwerkraft schienen außer Kraft zu sein

Ganz große Gefühle

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Tanz der Schneeflocken – und mit gleicher Leichtigkeit schwebten die Russinnen über die Kulturhaus-Bühne.

Salzwedel. Das St. Petersburg Festival Ballet führte den „Nussknacker“ im Kulturhaus Salzwedel auf. Ein Erlebnis. Populäre Musik, atmosphärische Bühnenbilder, konsequente Lichtgestaltung und ein Tanzensemble sorgten für Unterhaltung.

„Der Nussknacker“, das letzte und erfolgreichste Bühnenwerk Peter Tschaikowskis gilt seit 100 Jahren als der Weihnachtsklassiker schlechthin. Mit der Betonung des kompromisslosen künstlerischen Leistungswillens faszinierte das Ballet im ausverkauften Kulturhaussaal. Lediglich fünf Karten hätte KulTour-Eigenbetriebs-Mitarbeiter Michael Tunger an diesem Abend höchstens noch verkaufen können.

Die Darsteller und die geniale Musik machten es leicht, das Stück mit Kinderaugen zu betrachten. Die Zeichnungen der Figur des Onkel Drosselmeier und des Mäusekönigs vermittelten einen Hauch des Schreckens und der Ironie, die stets in den Gesamtzusammenhang passte. Die Darsteller schienen die Gesetze der Schwerkraft zu verlassen, dank ihrer unverschämten Lässigkeit, den Menschheitstraum vom Fliegen nahe zu kommen. Die Präsentation der Füße (bas de jamde) das sanfte Abrollen ohne Geräusch, anmutig, grazil und voller Harmonie, all dass ließ die Zuschauer eintauchen in eine Welt voller Träume und Gefühle. Augen, Ohren und das Herz waren entzückt!

Die märchenhaften und magischen Züge der Ballettlegende des Nussknackers betonte die Tanzkompanie aus dem Venedig des Nordens mit lyrischer Fülle der Gefühle. Ein fesselnder Dialog der Körper, als die Sterne der Hoffnung erloschen schienen, um die Botschaft des Märchens von E. T. A. Hoffmanns zu überbringen: In dunklen Krisenzeiten zusammenhalten, dann kann auch das Unmögliche zum Möglichen werden. Ein bewundernswerter, künstlerisch auf höchstem Niveau getanzter Abend. Eine Bewegungssinfonie, die verzauberte. Großes Erlebnis für die Besucher, berechtigte stehende minutenlange Ovationen am Ende. Der Wehmutstropfen: Leider wurde das Stück ohne Orchester, sondern mit Musik aus der Konserve aufgeführt.

Von Bernd Zahn

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