Kunstrasen bis 2020 nicht im Stadthaushalt vorgesehen / Jetzt ist auch noch die Lichtanlage kaputt

Fußballer stehen im Dunkeln

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Ein Bild mit Symbolcharakter: Nicht nur der Rost nagt an der Barriere im Seelenbinder-Stadion. Auch der Mittelplatz ist in einem desolaten Zustand und hätte längst durch einen Kunstrasenplatz ersetzt werden müssen.

ann Salzwedel. Kreissportbund-Vorsitzender Lutz Franke bringt es zum Thema Neubau eines Kunstrasenplatzes im Salzwedeler Seelenbinder-Stadion auf dem Punkt. „Am Stadion sieht man, was die Stadt Salzwedel für den Sport übrig hat.

Die Stadträte sollten sich einmal das Tangermünder Stadion anschauen, und dann einen Vergleich ziehen“, rät der KSB-Chef.

Findet klare Worte: Kreissportbund-Chef Lutz Franke.

Damit spielt Franke auf die Investitionen seit 1990 an. Die hielten sich bislang bis auf eine neue Tartan-Laufbahn und einen kleinen Bolzplatz auf Kunstrasen in Grenzen. Dass im städtischen Haushalt bis 2020 kein Geld für den Bau eines dringend notwendigen Kunstrasenplatzes eingestellt ist, sorgt bei den Verantwortlichen vom Sportverein Eintracht und ESV Lok Salzwedel sowie dem Behinderten- und Rehabilitationssportverein (BSV) für Unmut und Empörung.

Jahrelang drin, dann gestrichen

13 Fußball-Nachwuchsmannschaften mit etwa 150 Kindern und Jugendlichen sowie Männer- und Freizeitteams trainieren jede Woche im Stadion – von Ende Oktober bis Ende März alle auf dem beleuchteten Mittelpunkt. Kein Wunder, dass dieser in einem desolaten Zustand ist.

Der Belegungsplan zeigt, dass der Trainingsplatz im Stadion täglich ab 17 Uhr ausgelastet ist. Dazu kommt noch der Schulsport.
Ist enttäuscht: Eintracht-Spartenleiter Holger Neumann

Doch vonseiten der Stadt passiert nichts. „Es ist traurig, dass das Vorhaben Kunstrasenplatz immer wieder auf Grund von anderen Stadtvorhaben verschoben wird“, kritisiert Holger Neumann, Spartenleiter Fußball beim SV Eintracht Salzwedel. Er stellt noch einmal deutlich klar, dass ein Kunstrasenplatz dringend benötigt wird, um den Kindern und Jugendlichen vernünftige Rahmenbedingungen für ihr Hobby zu geben. Scherzhaft sagt Neumann: „Wir sollten den Mittelplatz unter Denkmalschutz stellen, vielleicht bekommen wir dann Geld für einen neuen Kunstrasenplatz.“

Seit über 20 Jahren wird im Stadtrat über einen Kunstrasenplatz diskutiert. Doch die Taten blieben bislang aus. Das wollte der CDU-Landtagsabgeordnete Carsten Borchert im August ändern und hatte Innen- und Sportminister Holger Stahlknecht sowie Vereinsvertreter und Lokalpolitiker ins Stadion eingeladen. Stahlknecht bot eine 50- bis 60-prozentige Landesförderung über zwei Jahre an. Doch dieses Angebot wurde von den wenigen Stadträten beim Vor-Ort-Termin im August nicht aufgenommen. Pikant: Der Finanzminister hatte den Kommunen immer wieder Geld aus dem Stark III-Programm angeboten, mit dem sie ihre Sportstätten sanieren könnten. Verwies sogar darauf, dass selbst über eine Finanzierung des kommunalen Eigenanteils gesprochen werden könnte.

Doch Salzwedels Stadtrat hatte schon gehandelt: Und den jahrelang im Haushalt enthaltenen Kunstrasen und die Sanierung der Sanitäranlagen mit einem Beschluss am 13. November 2016 gestrichen. Und bis heute nicht wieder aufgenommen. Im Haushaltsentwurf bis 2020 ist der Kunstrasenneubau mit keiner Silbe mehr erwähnt. Sehr zur Enttäuschung aller Salzwedeler Fußballer.

Viel Luft nach oben ist auch noch, was den Punkt Rasenpflege sowohl im Stadion als auch auf dem Flora-Sportplatz an der Schillerstraße betrifft. Im Frühjahr war der alte Rasentraktor wochenlang defekt gewesen und das Grün stand über den Durchschnitt hoch. Dadurch konnte nicht nur nicht gemäht werden, sondern auch keine Düngung erfolgen. Die Auswirkungen bekommen die Kicker Woche für Woche auf einem äußerst unebenen Platz mit schlechtem Grün zu spüren. Zum Glück gab es noch keine Verletzungen.

Sieben von 16 Lampen seit acht Wochen defekt

Dass der Mittelplatz nicht in einen Kunstrasenplatz vor dem Jahr 2020 umgewandelt werden soll, ist die eine Seite der Medaille. Doch dass seit etwa acht Wochen sieben der insgesamt 16 Lichtstrahler auf dem Trainingsplatz im Stadion defekt sind, die andere. Für Eintracht-Nachwuchstrainer Lars Neumann ein unhaltbarer Zustand, auch weil in der Nacht zum Sonntag die Uhren wieder auf Winterzeit zurückgestellt werden und es dadurch früher dunkel ist.

In der Stadtverwaltung ist dieser Zustand bekannt. Wie Stadtsprecher Andreas Köhler gestern auf Nachfrage sagte, sind die neuen Teile für die Lichtmasten bestellt und sollen in den kommenden zwei Wochen nach Erhalt dann „zeitnah“ montiert werden.

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