IHK Magdeburg: Bauernfängerei in rechtlicher Grauzone

Frommhagen warnt vor dreister Abzocke

„Birkenhof“-Betreiber Bernd Frommhagen hat eines dieser Bauernfängerschreiben, wie es IHK-Geschäftsführer Werner Heidler nennt, bekommen und warnt, darauf hereinzufallen. Foto: Benecke

Salzwedel. Salzwedeler Unternehmen flattern dieser Tage Angebote des Hamburger OfficeMarkt 24 ins Haus, die aussehen wie Rechnungen. Bernd Frommhagen, Betreiber des Seniorenheimes „Birkenhof“, fand so ein Exemplar in seiner Geschäftspost und ist empört.

Er hatte erst unlängst die gesamten Computer in seinem Haus überarbeiten lassen und den Betrag von 295,12 Euro beinahe überwiesen. Unter den Bankdaten, wohin das Geld fließen soll, findet sich noch der Hinweis „Zahlen Sie bitte innerhalb von zehn Tagen“. Erst aus dem Kleingedruckten auf der Rückseite wird deutlich: „Dieser Vertrag stellt keine Rechnung dar, sondern versteht sich als Angebot zum Abschluss eines Kaufvertrages über das angebotene Produkt.“ Für Frommhagen ist das eine Frechheit.

Erst im August waren gleiche Schreiben des selben Hanmburger Unternehmens im westfälischen Minden aufgetaucht. Dort hatte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Alarm geschlagen. Es handelte sich um exakt die gleichen Schreiben mit ebenfalls 295,19 Euro.

Betroffene wie Bernd Frommhagen sehen in dieser Art von Geschäftspraktiken eine dreiste Abzocke. Der Hansestädter, der seine Computertechnik von einem heimischen Anbieter betreuen lässt, fragte sich, in wie vielen größeren Unternehmen die als Rechnung aufgemachten Angebote wohl einfach bezahlt würden.

Davor warnt auch Ingrid Stopinski. Die Sachbearbeiterin Technik der Computerspezialisten bei Büro Complett in Salzwedel bekam selbst solch ein Schreiben. Gerade als sie mit Bernd Frommhagen gesprochen hatte, schneite ihr Chef kopfschüttelnd mit einem dieser Angebote vom Hamburger OfficeMarkt 24 herein. Ingrid Stopinski hält diese Art von Angeboten, die als Rechnung aufgemacht, sind für unseriös.

Werner Heidler, Geschäftsführer Handel und Dienstleistungen der IHK Magdeburg, ist entsetzt: „Das ist eine Bauernfängerei, die sich in einer rechtlichen Grauzone bewegt.“ Es werde damit gerechnet, dass einige bezahlen, so Heidler weiter. Und: „Das Geld nach einer Überweisung zurückzubekommen, ist so gut wie aussichtslos.“ Rechtlich angreifbar sei das „bewusst verwischend als Angebot dargestellte“ Papier nicht. Heidler warnt davor, auch die Internetseite der Hamburger GmbH zu besuchen. Unter Umständen könne man sich dabei einen Virus auf dem PC einfangen, den die Bauernfänger dann vielleicht auch noch anbieten zu beseitigen – gegen Geld versteht sich. Heidler lobte die Umsicht der Salzwedeler Geschäftsleute, mit ihrem Hinweis auf die Angebote, an die Öffentlichkeit zu gehen: „Solche Briefe werden breit gestreut.“

Die Hamburger Rufnummer von OfficeMarkt 24 war gestern dauerbesetzt. Offenbar gehen dort sehr viele Anrufe ein ...

Von Holger Benecke

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