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Friseurbetriebe in Salzwedel haben unter den Krisen zu leiden

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Von: Christian Reuter

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Friseurmeisterin Evelin Kausche (r.) führt ihren Salon in Salzwedel seit fast 32 Jahren. Mit Katharina Schulz (im Bild mit ihrer Tochter Lina) hat sie eine Nachfolgerin gefunden, die das Geschäft am 1. Januar 2023 übernimmt. © Christian Reuter

Die Friseurbranche leidet besonders unter den Krisen. Erst kamen die Corona-Pandemie und damit einhergehend monatelange Schließungen. Ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine folgt nun die Energiekrise, deren Ende noch gar nicht absehbar ist. Dazu kommt die Erhöhung des Mindestlohns, die zwar den Beschäftigten zugutekommt, von den Geschäftsinhabern aber auch gestemmt werden muss, ohne dass das Unternehmen in finanzielle Schieflage gerät. Die AZ fragte bei der Handwerkskammer Magdeburg und Friseurbetrieben in Salzwedel nach, wie sie mit diesen Herausforderungen umgehen.

Salzwedel. „Die Friseurbranche ist eine von der Corona- und Energiekrise besonders gebeutelte Berufsgruppe. Neben diesen Krisen sorgen aber auch Fachkräftemangel, sinkende Ausbildungszahlen, zu niedrige Dienstleistungspreise und vor allem die Zunahme der Schwarzarbeit für Herausforderungen. Sie dürfen durch die Energiekrise nicht weiter belastet werden“, sagt Burghard Grupe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg.

Grupe fordert, ebenso wie der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks, einen Rettungsschirm für die Friseurbetriebe. Und er macht auch einen ganz konkreten Vorschlag, was zur Entlastung der Unternehmen beitragen könnte. „Die steuerliche Belastung der Betriebe muss unter Berücksichtigung der enormen Beschäftigungs-, Ausbildungs- und Integrationsleistung des Friseurhandwerks reduziert werden.“

Denn nur wenn sich Kundinnen und Kunden einen Friseurbesuch noch leisten könnten, könnten gute Löhne und Gehälter im Friseurhandwerk möglich sein. Nur ein finanziell gesunder Betrieb mit ausreichend Personal könne eine qualifizierte Ausbildung überhaupt sicherstellen.

Grupe: „Die Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes auf sieben Prozent wäre hier eine erste effiziente Maßnahme, um den Preis für den Kunden nicht zu stark ansteigen zu lassen.“

Dem stimmt Evelin Kausche zu, die seit 33 Jahren als Obermeisterin der Friseur-Innung Altmark West fungiert und seit fast 32 Jahren in Salzwedel einen Salon an der Neuperverstraße führt. „Ich arbeite seit 57 Jahren in meinem Beruf und bin schon durch viele Krisen gegangen, aber die derzeitige Lage ist dramatisch“, berichtet Kausche.

Und ergänzt: „Wir wurden durch die Corona-Pandemie mit am meisten gebeutelt, hatten die längsten Ausfälle, haben nicht das bekommen, was der Staat versprochen hatte. Und jetzt sind wir mitten in der Energiekrise.“

Das Gebäude, in dem sich der Salon befindet, habe eine Gasheizung. Die Ankündigung der erheblichen Preiserhöhung habe sie bereits erhalten, erzählt die Friseurin. Doch das sei längst nicht alles. „Wir haben einen hohen Wasserbedarf, waschen nicht nur die Haare, sondern auch Handtücher. Es gibt schließlich hohe Anforderungen an die Hygiene, die wir erfüllen müssen.“

Sie versuche zu sparen, wo es geht. Aber Kausche betont auch: „Wir können unsere Kunden nicht im Kalten sitzen lassen.“ Preiserhöhungen gebe es zudem nicht nur bei Heizung, Wasser und Strom, sondern auch bei den Pflegeprodukten. Seit dem Beginn der Corona-Pandemie würden die Hersteller zweimal jährlich die Preise anziehen.

Apropos Preise anziehen: Für die Friseurdienstleistungen habe man die Preise anpassen müssen, aber „es ist alles noch im Rahmen“, sagt die Friseurmeisterin. So wie Burghard Grupe fordert auch sie einen Rettungsschirm für die Friseurbetriebe.

Elke Müller betreibt einen Friseursalon an der Sankt-Georg-Straße in Salzwedel. Was die Energiekrise angeht, sei das Einsparpotenzial für die Friseure sehr begrenzt. „Wir machen jetzt eine halbe Stunde später auf, dadurch sparen wir etwas Strom. Aber wir waschen unseren Kunden nicht kalt die Haare“, sagt Müller.

Den Mindestlohn sieht sie als positiv an, denn auch die Friseure wollten endlich mal mehr verdienen. Das große Problem ist nach Ansicht von Elke Müller aber die Schwarzarbeit, die schon während der monatelangen Schließungen in der Corona-Pandemie zugenommen habe.

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