Ein Baum für Joachim Hoffmann

Friedliche Revolution: Salzwedel gedenkt Ehrenbürger und Wendepfarrer

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Am 26. Oktober 2014 gratulierte Oberbürgermeisterin Sabine Danicke ihrem einstigen Neues-Forum-Mitkämpfer zum Ehrenbürger.

Salzwedel – Pfarrer Joachim Hoffmann war vor 30 Jahren in Salzwedel Symbol- wie auch Leitfigur der Wende. Er führte im Herbst 1989 unter dem „Dach der Wende“, der Katharinenkirche, und auf den Straßen der Hansestadt die friedliche Revolution an.

Und diese hatte ihren großen Auftakt am 26. Oktober 1989, als sich über 3000 Menschen unter dem „Dach der Wende“ versammelten. Drinnen wie auch draußen war die Stasi präsent. Dass an diesem Abend und auch weiterhin alles friedlich blieb, ist eines der größten Verdienste des Pfarrers. Er verstand es, in die Herzen der Menschen zu schauen, ihnen einen Weg zu weisen und sie auf diesen mitzunehmen.

Pfarrer Joachim Hoffmann (l.) wies am 26. Oktober 1989 in der Katharinenkirche den friedlichen Weg zur Wende in Salzwedel. 

Ein Vierteljahrhundert später wurde Joachim Hoffmann, inzwischen im Ruhestand, am 26. Oktober 2014 Ehrenbürger der Hansestadt Salzwedel. Und auch damals mahnte er wieder: Gesetze der Regierung, im Angesicht drohenden Terrors demokratische Grundrechte zu beschneiden, seien der falsche Weg. Verbote in einer Demokratie würden der Willkür irgendwann Tür und Tor öffnen. Der Gedanke mache sich breit, dass man hinter Mauern doch am sichersten lebe, formulierte der Gottesmann und Ehrenbürger an jenem Tag im Salzwedeler Rathaussaal. Am gleichen Tag wurde die Gedenktafel „Was wollen wir jetzt“ zum 25. Jahrestag der friedlichen Revolution an der Außenwand der Katharinenkirche angebracht.

Leider verstarb Joachim Hoffmann am 4. Oktober vergangenen Jahres im Alter von 70 Jahren. Kurz zuvor war seine Frau Anne, die den Salzwedelern ebenfalls bestens bekannt war, gestorben.

Doch der Wendepfarrer ist in Salzwedel unvergessen. „Die Erinnerung ist die Schriftführerin der Seele“, sagt die Salzwedelerin Sabine Spangenberg, eine Weggefährtin Hoffmanns in den Wirren der Wende. Auch sie gehörte wie der Pfarrer zu den Gründern des Neuen Forums in Salzwedel.

Zum 30. Jahrestag der friedlichen Revolution soll nun in Salzwedel auf dem Kirchplatz von Sankt Katharinen ein Baum für Joachim Hoffmann gepflanzt werden – den maßgeblichen und prägenden Mitgestalter der gewaltfreien, friedlichen Revolution in der Hansestadt. Und zwar am Sonnabend, 2. November, um 14.30 Uhr. Sabine Spangenberg sowie Mitglieder der Jungen Gemeinde von 1979 bis 1987 und des Neuen Forums 1989 bereiten derzeit die Aktion vor.

VON HOLGER BENECKE

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