Patrick Kieske war in Afghanistan: „Es gab Verluste“

Für den Frieden im Visier der Taliban

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Der Salzwedeler Patrick Kieske war sieben Monate lang mit der Schutztruppe in Afghanistan auf Patrouille: „Das Schwierigste ist das Ankommen in der Heimat.“

Salzwedel / Kunduz. Sieben Monate war der Salzwedeler Patrick Kieske mit der Bundeswehr in Afghanistan. „Noch einmal nicht“, sagt er. „Für kein Geld der Welt."

110 Euro pro Tag bekommen die im Rahmen der International Security Assistance Force (ISAF) eingesetzten Bundeswehrangehörigen. „Das Geld ist gut – aber zu wenig. Und an die Kohle denkst du schon nach anderthalb Wochen nicht mehr. “.

Noch nicht einmal so lang dauerte es, und Kieske lag in den Bergen von Kunduz während seines ersten nächtlichen Spähtrupps unter MG- und Mörser-Feuer der Taliban.

Sieben Monate lang war der Salzwedeler dort. Absolvierte etwa 210 Einsatztage. Bei jeder fünften bis sechsten Patrouille lag die Truppe unter Beschuss oder es wurden in ihrer Nähe zuvor versteckte Bomben gezündet. Und die gab es überall. „Kaum hatten wir eine Straße geräumt, vergruben die Taliban dort wieder neue Sprengkörper“, berichtet der Panzergrenadier. Bomben, die hochgingen, wenn ein Fahrzeug darüber fuhr oder von einem Beobachter über Funk gezündet wurden, wenn die ISAF-Soldaten in ihre Nähe kamen. Über Tote und Verletzte schweigt Kieske. Nur so viel: „Es gab Verluste.“

„Die Heimat weiß zu wenig über unseren Einsatz in Afghanistan“, sagt der Panzernahbekämpfer und Scharfschütze, der seit 2007 bei der Bundeswehr dient. Er selbst hat hunderte Reporter während seiner Zeit in Afghanistan gesehen. „Doch was dann in den Zeitungen und im Fernsehen zu sehen war ...“, Kieske winkt ab.

Temperaturen im Sommer von 45 bis 50 Grad Celsius am Tage und nachts immer noch 30 Grad machen den Mitteleuropäern zu schaffen. Im Winter sind es tagsüber minus 20 bis 25 und nachts minus 30 bis minus 40 Grad. 14 bis 20 Tage lang ist die Truppe auf Patrouille. Auf den Fahrzeugen gab es nur eiserne Rationen und im Quartier wurde ab und an in Polizeistationen in der Wüste bezogen, in denen es auch Nachschubstationen für die ISAF-Soldaten gab. Sonst schliefen die Soldaten draußen. Im Einsatz haben die Männer und Frauen ganz schön zu schleppen. „Ich wiege 75 Kilogramm – mit der Ausrüstung waren es 155“, erläutert der Salzwedeler. Das Hauptgewicht ist die ständig zu tragende Splitterschutzweste.

Zwischen den Patrouillen hatte die Truppe fünf bis sieben Tage Aufenthalt in ihrem eigenen Stützpunkt. Auch, wenn sie zu zweit oder zu dritt auf nur rund acht Quadratmetern in gepanzerten und klimatisierten Containern untergebracht waren – das einzige Fenster zu öffnen, war nicht erlaubt – war das die blanke Erholung. Es gab deutsche Küche und ausreichend Verpflegung. „Auf Patrouille hatten wir ja nur Kar- tonessen und Dosenfutter“, wie die Soldaten die eisernen Rationen nennen.

Was sich die Truppe in Afghanistan öfter fragt: „Wozu sind wir hier?“ Kieske: „Da werden Brücken gebaut, von den Taliban gesprengt und eine Woche später wieder aufgebaut – trotz der patrouillierenden Schutztruppe.“

Von Holger Benecke

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