Jan Vogtschmidt will sich in Salzwedel ein Atelier einrichten

Fotografieren wie anno 1851

Mann
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Jan Vogtschmidt lebt seit drei Jahren in der Hansestadt.
  • VonArno Zähringer
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In die Altperverstraße in Salzwedel ist wieder neues Leben eingezogen: In den ehemaligen Räumen der Hansenbande, die inzwischen in der Burgstraße angesiedelt ist, packt Jan Vogtschmidt zurzeit seine Kisten und Kartons aus. Der ausgebildete Fotograf möchte sich dort ein Atelier einrichten.

Salzwedel - Wie das dann alles genau aussehen wird, das hat der im Landkreis Osnabrück geborene Vogtschmidt noch nicht entschieden. „Ich muss erst einmal sehen, was überhaupt möglich ist“, sagt Vogtschmidt, der an einer seltenen Nervenkrankheit leidet und deshalb mobil eingeschränkt ist. Sicher indes ist: Im Kunsthaus Salzwedel wird er von Freitag, 23. Juli, an seine Werke zeigen. Für das Kunsthaus ist das eine Premiere, denn bislang ist dort noch keine Fotoausstellung präsentiert worden.

Jan Vogtschmidt war in seinem bisherigen Leben viel unterwegs. Nach seiner Fotografenausbildung („ich habe sogar einen Gesellenbrief“, erzählt er schmunzelnd) ging er für vier Jahre nach Paris. Dort verbrachte er eine ereignisreiche Zeit, arbeitete etwa bei der Wochenzeitschrift L’Express, damals eines der ältesten und auflagenstärksten französischen Nachrichtenmagazine.

Paris – ein schöner Anfang

„Das war ein schöner Anfang“, sagt er im Gespräch mit der Altmark-Zeitung. Einfach sei es allerdings nicht gewesen, schließlich gibt es in der französischen Metropole „natürlich ein paar gute Fotografen“, berichtet Jan Vogtschmidt mit einem Augenzwinkern. „Ich habe im Auftrag der jeweiligen Verwaltung den Parc de la Villette und die Tuileriengärten – am Louvre – in mehreren Reportagen fotografiert. Außerdem habe ich in Paris als Mitarbeiter eines großen Fotostudios (Studios pin up) bei vielen Fotoproduktionen mitgewirkt – in der Mode und Werbung“, berichtet der Fotograf. Im Parc de la Villette, dem größten Park und zweitgrößten Grünfläche von Paris, entstanden Porträts, Stillleben oder übergroße Landschaftsaufnahmen.

Ein weiterer Einschnitt in seiner fotografischen Entwicklung und Ausrichtung stellte sein einjähriger Aufenthalt in New York dar. „Da war schon viel los“, beschreibt Vogtschmidt rückblickend seine Zeit in der bevölkerungsreichsten Stadt der Vereinigten Staaten.

Später, wieder in Berlin, arbeitete er für ein paar Tage für Helmut Newton und seine Frau June. Newton war damals einer der begehrtesten und teuersten Mode-, Werbe-, Porträt- und Aktfotografen der Welt.

Vor etwa zehn Jahren begeisterte sich Vogtschmidt für das nasse Kollodiumverfahren, das 1851 in den Anfängen der Fotografie entwickelt wurde. Vor allem die Ästhetik der Fotos habe ihm gefallen, auch weil die Realität ein bisschen verfremdet wird. 2019 beispielsweise fotografierte Vogtschmidt mit seiner Plattenkamera bei Wagen & Winnen und zeigte gegenüber der Marienkirche einige Arbeiten. Die dabei entstandenen Porträts entwickelte er in einem mitgebrachten mobilen Fotolabor.

Zur Kollodiumtechnik: Bei der Verwendung schwarzer Glasplatten ergeben sich sehr reizvolle Direktpositivbilder. Dabei wird kurz vor der Aufnahme eine Kollodiumschicht auf eine Glasplatte aufgegossen, die dann sofort, noch nass, sensibilisiert, belichtet und entwickelt werden muss. Nach dem Fixieren, Wässern und Trocknen wird das empfindliche Bild noch mit einer Firnis (schnell trocknender Schutzanstrich) beschichtet. Weil einige Schritte bei Dunkelheit ausgeführt werden müssen, ist eine Dunkelkammer (oder Dunkelzelt) auch bei Außenaufnahmen unerlässlich.

Warum Nassplatte? Vorrangig, berichtet Vogtschmidt, wegen der interessanten Ergebnisse. Aber die umfangreiche Vorbereitung und die Handarbeit gehören auch dazu. Die Art und Weise, wie der Fotograf jeden einzelnen Schritt ausführt, wirkt sich unmittelbar aus. Kleine Fehler beim Hantieren hinterlassen Spuren, die sich im Bild verewigen. „Deshalb ist gutes handwerkliches Arbeiten sehr wichtig.“

Der Fotograf kam vor knapp drei Jahren nach Salzwedel. Aus privaten Gründen, aber auch, weil Salzwedel „eine schöne Stadt ist“ und zwischen Berlin und Hamburg liegt. Größer dagegen sei die Schau in der Hauptstadt Berlin unter dem Titel „Die Helden der Arbeit“ gewesen. Vogtschmidt freut sich auf seine Ausstellung im Kunsthaus. Momentan ist er gerade dabei, die Exponate zusammenzustellen. Sie stammen aus den Bereichen Pilze, Porträt, Schnee, Akt und Kollodium.

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