Nach 2018 befürchten Landwirte in diesem Jahr erneut große Ernteeinbrüche

Die Folgen eines Rekordsommers

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Unten vertrocknet, oben eingerollte Blätter: Kulturpflanzen wie der Weizen sind nicht für dauerhaft hohe Temperaturen ausgelegt. Fehlt das Wasser, geht die Pflanze in den Selbstschutz über und altert schneller.

Büssen – Die Regenschauer der vergangenen Tage trügen: Wasser ist auf vielen Feldern der Region Mangelware; die Böden bereits wenige Zentimeter unter der Oberfläche staubtrocken.

Christian Bönki (l.) und Bernd Hartstock hoffen, dass sich das trockene Wetter des Vorjahres nicht wiederholt.

„Das größte Problem ist, dass es überhaupt keine Wasserreserven mehr gibt“, fasst Landwirt Bernd Hartstock aus Büssen die derzeitige Situation zusammen. Die Pflanzen würden von den kleinen Schauern leben – und der Landwirt damit quasi von der Hand in den Mund, ergänzt Mitarbeiter Christian Bönki.

Was den Landwirten bislang geholfen hat: Der Mai blieb weitgehend kühl. Doch die heißen Tage zuletzt offenbarten die Defizite im Wasserhaushalt. „Da brechen die Bestände sofort ein“, erklärt Bernd Hartstock. Es entstünden in ein, zwei Tagen beim Weizen Schäden von 40 bis 50 Prozent. Andere Pflanzen wie Mais kämen derzeit noch gut zurecht, da sie noch nicht so viel Wasser bräuchten.

Kurzer Regen schafft kaum Abhilfe. Nur wenige Zentimeter tief reicht das Nass, dann wird es staubtrocken.

Womit Bauern in der Region derzeit kämpfen, sind die Spätauswirkungen des sehr trockenen Vorjahres. „Die Wasservorräte sind in bis zu zwei Meter Tiefe abgefallen“, so Christian Bönki. „Wir bräuchten 200 Millimeter, nur um die Reserven wieder aufzufüllen. Dazu kommt noch der Verbrauch der Pflanzen.“ Weizen etwa würde bei 25 Grad Lufttemperatur etwa vier bis fünf Millimeter pro Tag benötigen. Das gesamte Defizit habe 2018 bei 600 bis 650 Millimeter gelegen, rechnen die Landwirte vor. Eine Folge von 23 Hochsommertagen im vergangenen Jahr – normal seien drei bis vier. Hinzukomme, dass sich der Niederschlag tendenziell vom Sommer in den Herbst verlagert habe, meint Bernd Hartstock.

Aber wie gehen die Bauern mit der Situation um? „Wasser sparen und den Boden weniger bearbeiten“, nennt Christian Bönki zwei kurzfristige Maßnahmen. Auch spielten Sorten mit höherer Trockentoleranz eine Rolle. Pflanzenschutz sei ein weiteres Thema. Denn im Kampf mit Unkräutern um das Wasser zögen die Kulturpflanzen meist den Kürzeren, erläutert Bernd Hartstock. Über eine andere Methode sprechen Landwirte ungern in der Öffentlichkeit, denn sie wissen um deren Brisanz: gentechnisch veränderte Pflanzen.

Stichwort Beregnung: Die sei kein Allheilmittel, meistens sogar nur bei Spezialkulturen rentabel, sagen die Fachleute.

Dass die Bevölkerung von Ernteeinbrüchen wie 2018 wenig spürt, liege am weltweiten Austausch von Waren, meint Bernd Hartstock. Gäbe es diesen nicht, hätten die Deutschen im vergangenen Jahr gehungert.

VON JENS HEYMANN

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