Flugzeugbauer mit chirurgischer Präzision

Der Salzwedeler Karl-Heinz Bowe war als oberster Werkstoffprüfer (Ruhr-Uni) an der Entwicklung des Labitzke-Seils beteiligt, das vielen Menschen zur schmerzfreien Heilung verhilft.

Salzwedel - Von Holger Benecke. Ein Salzwedeler entwickelte zusammen mit einem Chirurgen ein Drahtseil, das Heilungschancen bei Knochenbrüchen revolutionierte.

Vom 26. bis 29. Oktober wird in Berlin bei einem Kongress der Literaturpreis der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie an Prof. Dr. Reiner Labitzke für sein „Handbuch der Seilosteosynthesen“ verliehen. Labitzke machte sich auch international einen Namen als Chirurg und Forscher. Er operierte in China, Russland, im Vorderen Orient und den USA. Und er entwickelte das nach ihm benannte Labitzke-Seil, dessen Anwendung er in seinem Buch ausführlich schildert.

An der Entwicklung des Labitzke-Seils hat ein Salzwedeler nicht unwesentlichen Anteil. Karl-Heinz Bowe begleitete als Mitarbeiter der Ruhr-Uni Bochum das Projekt des Professors vier Jahre lang und arbeitete auch für das Handbuch zu, das nun den Literaturpreis bekommt. Sein technisches Rüstzeug erlernte Bowe in seiner Geburtsstadt Salzwedel. Von 1942 bis 1944 lernte er Metallflugzeugbauer auf dem Fuchsberg. Damals wohnte er an der Alten Jeetze 27. Wie Bowe bis heute sagt, war diese Lehre prägend für sein ganzes Leben. Auch am ersten deutschen Nachkriegsflugzeug Dornier Do-27, die von Hanna Reitsch eingeflogen wurde, arbeitete Bowe mit.

Er erinnert sich an die Entwicklung des Labitzke-Seils: 1974 ärgerte sich ein junger Oberarzt in der Unfallchirurgie der Uniklinik Essen über nicht geheilte Frakturen, die mit dem eigentlich ungeeigneten steifen Cerclagedraht stabilisiert waren. Genau zu dieser Zeit lernte Labitzke den Leiter der Werkstoffprüfung im Institut für Werkstoffe der Ruhr-Universität Bochum, Karl-Heinz Bowe, kennen. Beide entwickelten ein schmiegsames Drahtseil, das ähnlich wie bei einer Flugzeugsteuerung funktioniert. Das Labitzke-Seil ist das weltweit erste Drahtseil-System für Chirurgen und Orthopäden und seit langen an Kliniken eingeführt. Es hat sich bestens bewährt.

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