In Salzwedel sollen zwei neue Selbsthilfegruppen entstehen

Flucht vor der Sucht

+
Bärbel Riep hilft beim Aufbau zweier Selbsthilfegruppen in Salzwedel gegen Spiel- bzw. Alkoholsucht. Interessierte Betroffene können sich bei ihr unter Tel. (01 51) 16 26 67 44 melden. 

Salzwedel. „Ich musste etwas gegen meine Spielsucht unternehmen“, sagt der 47-jährige Salzwedeler, der unerkannt bleiben will. Sechs Jahre lang ging er nach der Arbeit in die Spielhölle und fütterte stundenlang die Automaten mit Geld. Mal 50, mal 100 Euro.

Wenn er gewann, sei es ein „super Glücksgefühl“ gewesen; verlor er, kam er in schlechte Stimmung und wurde öfter aggressiv.

Nicht mit Automaten, aber mit Alkohol hat ein 36-Jähriger zu kämpfen. Bei Problemen, Stress und gefühlter Einsamkeit griff er fünf Jahre lang zunehmend zum Alkohol. „Danach fühlte ich mich immer besser“, erzählt der Salzwedeler. Am Abend schaffte er schon mal zwei Flaschen Hochprozentiges.

Zwei Männer, zwei Suchtprobleme, ein möglicher Ausweg. Denn beide wollen jeweils eine Selbsthilfegruppe für Spiel- bzw. Alkoholsüchtige in Salzwedel gründen, um mit anderen Betroffenen die inneren Dämonen zu bändigen. Zusammen mit Bärbel Riep von der Selbsthilfekontaktstelle des Paritätischen haben sie sich auf diesen Weg begeben.

Erste Schritte haben beide Männer bereits getan. Sie haben erkannt, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann. Und sie haben sich ihrer Familie und ihrem Arbeitgeber geöffnet. Während der 47-Jährige krankgeschrieben ist, um seine Sucht loszuwerden, arbeitet der 36-Jährige weiter.

„Es gab für mich immer wieder Möglichkeiten, an Geld zu kommen“, erinnert sich der 47-Jährige. Kriminell sei er daher nicht geworden.

Mittlerweile hat er sein Geld seiner Freundin anvertraut und alle anderen gebeten, ihm nichts zu leihen. So will er seiner Gier, immer mehr haben zu wollen, die seine Spielsucht begründet, Herr werden.

Geldprobleme hat der andere, der 36-Jährige, hingegen nicht. Aber Erinnerungen an die Alkoholfahne, mit der er zur Arbeit kam.

Die kostenlosen Selbsthilfegruppen, die die beiden gründen wollen, sollen jeweils etwa fünf bis sechs Betroffene umfassen. Auf ein erstes anonymes Treffen sollen dann wöchentliche Aussprachen folgen. Bärbel Riep hilft bei der Organisation.

„Leider gibt es im Suchtbereich immer wieder Rückfälle“, weiß sie aus Erfahrung. „Diese gehören zum Krankheitsbild, dürfen aber nicht als Entschuldigung herangeführt werden.“ Wenn der Wille da sei, finden die Betroffenen auch einen Ausweg. Vor einigen Jahren ist in Gardelegen eine Alkoholselbsthilfegruppe gescheitert, weil der Ansprechpartner nach wenigen Wochen wieder rückfällig geworden war.

Bei den beiden Männern in Salzwedel ist Bärbel Riep guter Dinge. In Salzwedel gebe es ohnehin kaum entsprechende Angebote, für Spielsucht gar nicht. Allein in Stendal seien elf Gruppen verschiedener Ausrichtung vorhanden.

Der 36- und der 47-Jährige haben seit Wochen die Finger von Schnaps bzw. Spielautomaten gelassen. Auch wenn die Gedanken noch manchmal darum kreisen.

Von Jens Heymann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare