Nach 70 Jahren ist der Krieg plötzlich wieder präsent

Flinten statt Füchse: Jäger fanden Waffen

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Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes vom Technischen Polizeiamt in Magdeburg holten gestern den Kriegsschrott von der deutschen Wehrmacht aus einem Wald bei Gerstedt.

Gerstedt. Kriegsschrott aller Coleur – bis hin zu Karabinern und Infanteriemunition – holte gestern ein Team des Kampfmittelbeseitigungsdienstes aus einem Wald bei Gerstedt.

Die Hinterlassenschaft der deutschen Wehrmacht aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs war während einer Baujagd entdeckt worden. Tobias Thätner, der seit 13 Jahren in diesem Revier jagt, hatte der mit Holz aufgefüllten Grube nie besondere Beachtung geschenkt. Erst durch die Baujagd kamen die Waidmänner auf die Idee, in der Grube nach einem Bau zu suchen. „Das sahen wir die Gewehre und noch anderes verrostetes Kriegsmaterial“, sagte Tobias Thätner zur AZ.

Nachdem Thätner schleunigst die Grube wieder verlassen hatte, rief er die Polizei. Diese setzte die Spezialisten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst in Marsch.

Die Beamten lobten die Umsicht der Jäger und weisen darauf hin, dass bei Munitionsfunden grundsätzlich gilt: Finger weg! 110 anrufen! Denn: Je mehr der Zahn der Zeit, sprich der Rost, am Mechanismus und Zündern alter Sprengkörper nagt, desto eher besteht Explosions- und damit Verletzungs- bzw. Todesgefahr.

Je älter Munition wird, desto gefährlicher wird diese auch, warnt die Polizei.

Gestern wurden jedoch keine größeren Sprengkörper geborgen. Die Waffen könnten von den letzten Kämpfen in der Altmark stammen, als die Reste des XXXIX. Panzerkorps von Einheiten des XIII. US-Korps zwischen Rockenthin und Wistedt aufgerieben wurden. Die Amerikaner nannten diese Scharmützel später „The Battle of Bombeck“.

Auch die Reste der Salzwedeler Panzergrenadiere verdrückten sich. Eine Genesenden-Kompanie verließ unter Führung des Standortkommandanten Oberst Viering die Kasernen und schlug sich nordwärts durch die Büsche ins Wendland durch, wo die Reste aufgaben. Unterwegs, so berichtete der Oberst, seien ihm immer mehr Soldaten abhanden gekommen. Gut möglich, dass es sich bei dem Fund um von Deserteuren dieser Einheit weggeworfene Waffen handelt.

Von Holger Benecke

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