Zeitgeschichte

Flammen aus dem Auspuff verrieten nächtlichen Stellungswechsel

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Ein „Jagdpanther“ steht heute im Panzermuseum Munster. 

Waddekath / Altmark – Es war Hitlers letztes Aufgebot, das sich vor 74 Jahren an der heutigen Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen in der Altmark mit gen Westen vorgerückten US-Soldaten einen verzweifelten Kampf lieferte.

Schauplatz des Geschehens waren die Waldgebiete zwischen Wittingen und Diesdorf, wo die letzten Angehörigen der in Eile zusammen gewürfelten Kampfgruppe „Wiking“ agierten. Heimatforscher Hendrik Altmann hat die Geschichte „Auf der Fährte des letzten Panzers“ in der Altmark recherchiert und die Kämpfe anhand von Zeitzeugenaussagen versucht, zu rekonstruieren.

Treffer und Abpraller zeugen von schweren Gefechten.

Das tragische Ende des „letzten Panzers“ und des finalen Aufgebotes der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg bei Waddekath im April 1945 erfolgte durch eine Panzergranate. Diese traf einen deutschen „Jagdpanther“. Wie Altmann recherchierte, stieß die Kampfgruppe „Wiking“ (ein Panzerabholkommando der 5. SS-Panzer-Division „Wiking“) mit den Truppen der 84. US-Infanterie-Division zusammen. Die von der SS in Hannover übernommenen „Jagdpanther“ wurden unter Beschuss genommen.

Aus dem Raum Celle / Gifhorn wichen die deutschen Soldaten gen Osten aus. Nach der Überquerung der Aller kam es am 14. April 1945 zunächst bei Ahnsbeck zu einem Gefecht der deutschen Panzer mit dem 771. US-Jagdpanzer-Bataillon. Altmanns Recherchen lassen vermuten, dass danach weite Teile der Kampfgruppe „Wiking“ im Raum Wittingen und Diesdorf von den US-Truppen aufgerieben wurden.

Zu einem folgenschweren Gefecht sei es am 16. April gekommen, an dem die Besatzung des vermeintlich letzten bei der Truppe verbliebenen deutschen „Jagdpanthers“ verwickelt war. Zwei Schützenpanzerwagen und rund 100 Mann Infanterie – das war alles, was SS und Wehrmacht den Amerikanern noch entgegenzusetzen hatten. Es war bei Waddekath, als es nachts zwischen dem 16. und 17. April 1945 einen Stellungswechsel gab, der tragische Folgen für den „Jagdpanther“ und seine Besatzung hatte. Weil das 45 Tonnen schwere 700-PS-Monster mit Maybach-Motor ein Verteiler-Problem hatte, entwichen Flammen aus den Auspuffrohren.

Für die von Wittingen aus vorrückenden US-Truppen waren diese nur zu gut sichtbar und offensichtlich auch der Grund dafür, dass auch der letzte „Jagdpanther“ in ihr Visier geriet. Dann ging alles ganz schnell: Die linke Turmseite des deutschen Jagdpanzers wurde getroffen. Drinnen geriet die mitgeführte Munition in Brand und explodierte. Der Grabstein des Fahrers Georg Berchtold steht heute in Suderwittingen. Als Todesdatum wurde der 20. April 1945 angegeben. Der Richtschütze des abgeschossenen Panzers blieb verschollen.

VON KAI ZUBER

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