Waldzustandsbericht: Altmark von Dürrejahren hart getroffen

Fichte Sorgenkind Nummer 1

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Auch Laubbaumarten wie die Eiche haben gelitten.

Altmark – Noch vor fünf Jahren suchte man das Wort „Klimawandel“ im Landes-Waldschadensbericht von Sachsen-Anhalt vergebens. Nun ist es allgegenwärtig. Die feuchtigkeitsliebende Fichte ist aktuell Problembaum Nummer 1 und in vielen Forsten nahezu am Verschwinden.

Die Altmark treffen laut dem aktuellen Waldzustandsbericht Sachsen-Anhalt die zwei vergangenen Dürrejahre hart, wenn auch landesweit der Harz mit seinen ausgedehnten Fichten-Monokulturen die größten Sorgen bereitet.

Die altmärkische Kiefer hielt sich dennoch im Vergleich zu anderen Waldbäumen (Buchen, Eichen und Birken) recht wacker, wie aus den Analysen des Teams der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt Göttingen um Prof. Dr. Johannes Eichborn und Dr. Uwe Paar hervorgeht, die der AZ vorliegen. In Sachsen-Anhalt waren 2018/19 sehr niederschlagsarme Jahre. In Klötze fiel zwar mit 436 Millimetern im Freiland bzw. 314 Millimetern unter einem Kiefernbestand knapp 20 Prozent mehr Niederschlag als im Fläming, aber immer noch deutlich weniger als im Mittel der Jahre 1998 bis 2017, so Birte Scheler vom Forschungsteam.

Alle Baumarten im Wald betroffen

„Nach den überdurchschnittlichen Temperaturen und massiven Niederschlagsdefiziten in den Vegetationsperioden der Jahre 2018 und 2019 wurde der Wald geschwächt“, stellte Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert bei der Vorstellung des aktuellen Waldzustandsberichtes für 2019 fest. Mit Trockenstress und Hitzeschäden hatten nahezu alle Waldbaumarten zu kämpfen. In diesem Jahr ist neben den Nadelbaumarten auch bei Laubbaumarten eine Zunahme der Schäden sowie ein Absterben vieler Bäume festzustellen. Die mittlere Kronenverlichtung aller Altersstufen – als ein Kriterium der Vitalitätsansprache – übertrifft mit 26 Prozent den Wert des Dürrejahres 2018 mit 21 Prozent. Insgesamt reagieren die über 60-jährigen Bestände aller Baumarten auf den Trockenstress deutlicher als die bis 60 Jahre alten Bestände.

Der Sturm „Friederike“ im Januar 2018 und der massive Borkenkäferbefall 2018 und 2019 haben vor allem bei der Fichte zu Ausfällen und einer erhöhten Absterberate geführt. Für die Hauptbaumart Fichte wurde eine mittlere Kronenverlichtung in den über 60 Jahre alten Beständen von 43 Prozent und damit eine Erhöhung um 15 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr festgestellt.

Pilze sorgen für Schäden

Vielerorts spielen derzeit Pilze, die normalerweise unauffällig sind, eine zunehmend bedeutendere Rolle – sie verursachen mittlerweile spürbare Schäden, so das Expertenteam der Göttinger Forscher. Teilweise treten zusammen mit diesen Pilzen rinden- und holzbrütende Schadinsekten in Erscheinung und verschärfen den Schadensverlauf. Diese Aussage trifft insbesondere für die Hauptbaumart Kiefer vornehmlich in der Standortsregion Tiefland zu. Für die Kiefer wurde in der diesjährigen Waldzustandserhebung eine mittlere Kronenverlichtung (über 60 Jahre) von 16 Prozent festgestellt. Neben den massiven Schäden durch rindenbrütende Insekten wie den Kiefernborkenkäfern und Kiefernprachtkäferarten tritt das Kieferntriebsterben, verursacht durch den Pilz „Sphaeropsis sapinea“ auf, das für erhebliche Schäden in den Waldbeständen verantwortlich ist. Bei der Baumart Buche hat sich die mittlere Kronenverlichtung (über 60 Jahre) von 34 Prozent auf 49 Prozent erhöht. In Anbetracht der massiven Schäden werden erhebliche Verjüngungsmaßnahmen erforderlich sein, hieß es.

Bei Kiefern, Buchen, Hainbuchen, Birken und Lärchen traten Schäden durch Insekten- und Pilzbefall und die lang anhaltende Trockenheit auf. Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2019 zeigen für den Wald in Sachsen-Anhalt Höchstwerte der mittleren Kronenverlichtung, des Anteils starker Schäden und der Absterberate seit Beginn der Zeitreihe 1991.

Im Vegetationsjahr 2019 setzte sich die Dürre des Vorjahres unvermindert fort. Dies führte laut den Waldforschern dazu, dass auf vielen Waldstandorten in Sachsen-Anhalt die Niederschläge in der Nichtvegetationszeit nicht ausreichten, um den pflanzenverfügbaren Bodenwasserspeicher zu Beginn der Vegetationszeit ausreichend aufzufüllen. Mit einer Mitteltemperatur von 10,8 Grad (+ 2,5 Grad) und einer Niederschlagssumme von 458 Millimetern (etwa 80 Prozent des Niederschlagssolls) im Flächenmittel des Landes war es im Vergleich zu den Mittelwerten der Klimanormalperiode 1961-1990 deutlich zu trocken und zu warm. Die Aufeinanderfolge von zwei Dürrejahren hat bei vielen Baumarten extreme Reaktionen ausgelöst. Trockenstresssymptome wurden insbesondere bei der ebenfalls feuchtigkeitsliebenden Buche festgestellt. Abgestorbene Buchen waren 2019 häufiger zu beobachten. Aber auch Birken, Eschen und Lärchen starben vermehrt ab. Die Ausfallrate war in beiden Jahren deutlich erhöht.

Waldumbau angemahnt

Der Waldumbau wurde seitens der Forscher angemahnt und ist bereits in vollem Gange. „Es ist jetzt unsere Aufgabe, klimastabile Wälder aufzubauen. Die Forschung wird uns dabei unterstützen und Antworten auf die Fragen geben, welche Baumarten auf welchen Standorten geeignet sind. Unser Wald ist das erste Opfer der Klimakrise“, betonte Claudia Dalbert.

VON KAI ZUBER

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