Studie sagt Platzmangel im Altmarkkreis voraus / Andere sprechen dagegen

Flüchtlingskrise: „Es fehlen bezahlbare Wohnungen“

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Das Wohngebiet Arendseer Straße in Salzwedel ist ein Sinnbild für überflüssigen Wohnraum. Der Leerstand soll sich noch vergrößern, weitere Blöcke verschwinden.

hey Altmarkkreis. Im Altmarkkreis Salzwedel werden rund 440 Wohnungen für die Flüchtlinge, die in diesem Jahr kommen, zusätzlich gebraucht. Das geht aus einer aktuellen Wohnungsmarktanalyse des Pestel-Instituts aus Hannover hervor.

Es sei daher notwendig, in erster Linie das Sanieren von leer stehenden Wohnungen enorm zu forcieren. Aber auch beim Neubau von Wohnungen müsse mehr getan werden. Im Schnitt wurden in den vergangenen Jahren im Altmarkkreis Salzwedel lediglich rund 110 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt.

Deshalb warnt das Pestel-Institut: „Wenn es bei einem starken Flüchtlingszuzug bleibt, muss sich der Altmarkkreis Salzwedel auch in den kommenden Jahren darauf einstellen, dass noch mehr Wohnungen gebraucht werden“, sagt Pestel-Institutsleiter Matthias Günther.

Zwei Mangelerscheinungen diagnostizieren die Wissenschaftler bei der Wohnungsmarktanalyse für den Altmarkkreis Salzwedel: „Es fehlen bezahlbare Wohnungen. Vor allem aber Sozialwohnungen. Also vier Wände für die Menschen, die sich teure Wohnungen in der Regel nicht leisten können: Rentner, Alleinerziehende, junge Menschen in der Ausbildung, einkommensschwache Haushalte und eben auch Flüchtlinge“, so Günther. Hinter der Untersuchung steht die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.

Das Pestel-Institut in Hannover geht bei seiner Wohn-Prognose von rund 1100 Flüchtlingen aus, die im Laufe dieses Jahres in den Altmarkkreis Salzwedel kommen werden. Grundlage hierfür ist die für Deutschland erwartete Zahl von einer Million Flüchtlingen in 2015. „Es gilt die Formel: 100 Flüchtlinge, die in den Altmarkkreis Salzwedel kommen, benötigen im Schnitt 40 Wohnungen“, erläutert Matthias Günther.

Noch vor wenigen Monaten war das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IWK) zu einem ganz anderen Schluss gekommen. Dass nämlich auf dem Land mehr gebaut wird als eigentlich notwendig. Das IWK rechnet im Gegensatz zum Pestel-Institut auch mit anderen Zahlen. So wurden 2014 150 Wohneinheiten errichtet, aber nur 93 benötigt. Zu diesem Zeitpunkt spielte allerdings die aktuelle Flüchtlingskrise noch keine Rolle.

Die Autoren der IWK-Studie sehen zudem ein wachsendes Problem für Flächenkreise. Denn große Bautätigkeit führe zwangsläufig zu einer Zersiedlung. Während also immer neue Wohngebiete erschlossen werden, verfallen vorhandene Häuser.

Die Kreisstadt Salzwedel hat streng genommen gar keinen Mangel an Wohnungen. Allein in den Wohngebieten Arendseer Straße und Ernst-Thälmann-Straße stehen hunderte Einheiten leer – nachlesbar im Salzwedeler Stadtentwicklungskonzept. Dort besteht das Hauptproblem eher darin, ungenutzten Wohnraum loszuwerden.

Von Jens Heymann

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