Meisterschuss auf kapitalen Koloss

Fast 200 Kilo an der Waage: Sebastian Schulz aus Buchwitz bringt Keiler zur Strecke

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Sebastian Schulz (M.) erlegte den kapitalen Keiler.

Buchwitz – Kapitale Keiler von weit über 100 Kilogramm Lebendgewicht fallen nicht gerade vom Himmel. Trotz ihrer stattlichen Größe werden sie nur selten gesichtet – nicht umsonst sind sie so alt geworden.

Und kommt mal einer dieser gerissenen Uriane zur Strecke, spricht sich das schnell herum.

So auch am Montagnachmittag, als ein fast 200 Kilogramm wiegender Keiler-Koloss auf Eichenlaub gebettet auf Genthes Hof in Buchwitz viele ungläubige Blicke auf sich zog. Jäger, Nachbarn, Alteingesessene – alle waren sich einig: So einen Bassen (weidmännisch für „starker Keiler“) wurde im Revier Stappenbeck / Buchwitz seit Menschengedenken nicht zur Strecke gebracht.

Kommen und Gehen auf Genthes Hof: Alle wollten den Keiler-Koloss sehen, der keine 24 Stunden zuvor zur Strecke gekommen war.

Der glückliche Erleger, Sebastian Schulz aus Buchwitz, konnte sein Weidmannsheil zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz fassen. „So ein Schwein hab ich noch nicht gesehen“, freute sich der 27-Jährige, der seit 2011 Jäger ist, im Gespräch mit der AZ. Dabei hätte auch alles ganz anders kommen können, als der Jäger sich am Sonntagabend gegen 20 Uhr auf Pirsch ins Revier begab. Am letzten verbleibenden Maisfeld hatte der Buchwitzer gegen 22.30 Uhr bereits einen deutlich kleineren Schwarzkittel, einen Frischling, ins Visier genommen. Zum Schuss bereit, fiel dem Weidmann gerade noch rechtzeitig auf, dass da noch ein anderes Stück Schwarzwild aus dem Mais ins Freie gezogen war. Als ihm klar war, dass es sich dabei nur um einen Keiler handeln konnte, ließ er die Kugel aus dem Lauf seiner Jagdwaffe. Das Wildschwein sackte sofort zusammen – zum Glück. „Eine Nachsuche wäre das letzte gewesen, was ich gebraucht hätte“, schilderte der 27-Jährige, dem erst beim Herantreten an das Stück langsam klar wurde, welches wohl einzigartige Weidmannsheil ihm zuteilgeworden war. Mit dem Keiler gerechnet hatte Sebastian Schulz nicht. „So alle Vierteljahre haben wir mal eine starke Schwarzwild-Fährte im Revier gefunden. Dass der Keiler gerade wieder da war, war absoluter Zufall.“

Für die anschließende Bergung des Giganten konnten trotz später Stunde die beiden Mitjäger Heiko Genthe und Christian Schappler per Handy mobilisiert werden. „Alleine hätte ich keine Chance gehabt.“ Nach einer guten Stunde hing der Keiler schließlich am Haken. Dann die gespannte Frage, was das Stück wiegt. Beim ersten Wiegen zeigte die Hängewaage ein Gewicht von 198 Kilogramm an – ohne Innereien waren es immerhin noch 155. Was aus den enormen Mengen an Wildbret wird? „Mettwurst“, sagt der 27-Jährige, der seinen nächtlichen Helfern einiges abgeben möchte.

Nach dem ersten Inspizieren der Trophäe, den messerscharfen Eckzähnen des Keilers, waren sich erfahrene Mitjäger am Montagabend schon fast sicher: „Die werden nach dem Auspunkten im Medaillenbereich liegen.“ Sebastian Schulz ist das nach dem spannenden Jagderlebnis nicht so wichtig. „Das wäre nur das i-Tüpfelchen“, so der 27-Jährige.

VON MATTHIAS MITTANK

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