Trierer Gedenktafel zeigt die Frau eines Gynäkologen

„Falsche Jenny“ für Salzwedel

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Das ist die „richtige Jenny“: Diese Gedenktafel befindet sich nun am Wohnhaus der Familie von Westphalen in Trier.

Salzwedel. Der Altmarkkreis bekommt eine falsche Jenny-Marx-Gedenktafel. Das Bild zeigt nämlich nicht die echte Jenny von Westphalen, die am 12. Februar 1814 in Salzwedel geboren wurde, sondern die Frau eines Hannoveraner Gynäkologen.

Die falsche Tafel befand sich jahrelang im Wohnhaus der Familie von Westphalen in Trier, und erst auf Initiative der Jenny-Marx-Biografin Angelika Limmroth aus Göttingen wurde sie nun ersetzt. Die „falsche Jenny“ bekommt nun der Salzwedeler Freundeskreis Jenny Marx, der sie als Dauerleihgabe für die Ausstellung zum 200. Geburtstag der Jenny von Westphalen an den Altmarkkreis weiterreicht. Für die Übergabe wird Angelika Limmroth eigens nach Salzwedel reisen, und zwar bereits am 1. Oktober.

„Wir sind stolz und feuen uns. Stolz deshalb, weil durch die Übergabe der Gedenktafel durch Frau Limmroth, die als ausgemachte Jenny-Marx-Expertin gilt, unsere bisherige Arbeit hier in Salzwedel überregional anerkannt wird“, kommentiert Karl-Heinz Reck vom Salzwedeler Freundeskreis. Und weiter: „Wir freuen uns natürlich darüber, dass wir mit dieser Gedenktafel und ihrer Geschichte auch einen Beitrag zum Gelingen der Ausstellung des Altmarkkreises zum 200. Geburtstag von Jenny Marx leisten können.“

Die falsche Trierer Gedenktafel war 1982 im Wohnhaus der Familie von Westphalen enthüllt worden. Die luxemburgische Außenministerin hielt damals eine Ansprache und rief dazu auf, sich mit Jenny Marx, einer großen Frau, auseinanderzusetzen. Bildhauer Franz Schönberger aus Trier hatte das von einer Trierer Bank gesponserte Werk geschaffen. 1988 entdeckte der Moskauer Wissenschaftler Boris Rudjaks, dass es sich bei der Vorlage für die Tafel um eine Verwechslung handelte: Jenny Marx ist in Wirklichkeit Gertrud Kugelmann aus Hannover, die Frau des Gynäkologen Louis Kugelmann, ein Weggefährte von Karl Marx. Jenny Marx und Gertrud Kugelmann sind sich nie persönlich begegnet.

Wie es zu der Verwechslung kam? Der Urenkel von Jenny und Karl Marx, Fréderic Longuet, überreichte bei seinem Besuch in Moskau im September 1963 dem Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der KPdSU ein Fotoalbum der Familie Marx mit 126 Fotos, die er zum Teil selbst beschriftet hatte. Eine falsche Zuordnung führte schließlich zu der Verwechslung. Offenbar wegen Geldmangels war die Gedenktafel nie erneuert worden.

Erst Im Jahr 2008 wurde das Jenny-Bildnis nach einer Anfrage von Angelika Limmroth an den Trierer Oberbürgermeister ersetzt.

Von Ulrike Meineke

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