Fall wird neu aufgerollt

Der Arbeitsbereich Metall in den Salzwedeler CJD-Werkstätten: Mitarbeiter montieren Rohrschellen – von 7 bis 15 Uhr. Auch Dana Eiserbeck war dort beschäftigt. Stündlich gibt es eine zehnminütige Pause. Dazu kommen Frühstück, Mittag und Kaffee.

Salzwedel / Jeggeleben - Von Beatrix Koberstein In den Fall Dana Eiserbeck (wir berichteten) kommt Bewegung. Nun soll die spastisch gelähmte Jeggelebenerin, die vor zwei Jahren für geistig behindert erklärt wurde, und mit dieser Einschätzung nicht einverstanden ist, neu begutachtet werden. Zudem hat sich der Werkstatt-rat des Christlichen Jugenddorfwerkes (CJD) zu Wort gemeldet. Die Mitarbeiter dort fragen sich: „Warum hat Dana nicht um Hilfe gebeten?“

Dana Eiserbeck vermisst ihre Arbeit in der CJD-Werkstatt. Nach 14 Jahren hatte eine Kommission eingeschätzt, dass sie ihrer Aufgabe nicht mehr gewachsen sei. Vor zwei Jahren sollte sie in eine Fördergruppe wechseln. Das lehnte die heute 34-Jährige ab, die sich mit ihrer Geschichte kürzlich hilfesuchend an die AZ wandte. Denn seit zwei Jahren liegt ihr Widerspruch gegen diese Entscheidung bei der Sozialagentur in Halle. Bis auf eine Eingangsbestätigung vom November 2008 gab es keine Reaktion.

Nach dem AZ-Artikel vom 25. August gerät die Sache ins Rollen. „Wir sollen den aktuellen Hilfebedarf feststellen, lassen uns die Akte zurückgeben und werden mit Dana Eiserbeck einen Termin vereinbaren“, beschreibt Sozialamtsleiterin Christel Gießler das weitere Vorgehen. Nach zwei Jahren entscheide man nicht nach Aktenlage, fügte sie hinzu. Und meint eine erneute Begutachtung. Es könnten sich immer Veränderungen ergeben. „Wir führen regelmäßig Gespräche mit den Behinderten, ob die Leistungen, die sie erhalten, noch die richtigen sind“, so die Fachfrau. Heißt: Der Zustand der Menschen könne sich mit der Zeit verbessern, aber auch verschlechtern. Dann würden das Hilfsangebot angepasst.

Apropos Hilfe: Der CJD-Werkstattrat hätte sich gewünscht, „dass Dana mit ihrem Problem zu uns gekommen wäre“, so Gerd Schlemminger. Er gehört dem dreiköpfigen Gremium an, das alle vier Jahre von den Werkstattmitarbeitern gewählt wird, um die Interessen der Beschäftigten gegenüber der Leitung zu wahren. Dass die Jeggelebenerin nicht in die Fördergruppe an der Uelzener Straße integriert werden wollte, versteht Gerd Schlemminger nicht. Dort würde nicht nur gespielt, sondern auch gearbeitet. Und zwar – genau wie im CJD – Rohrschellen montiert. Allerdings ohne Leistungsdruck. „Die Leute sollen sinnvoll beschäftigt werden. Das, was sie können, machen sie“, betont der Werkstattmitarbeiter.

Außerdem, so fügt CJD-Chefin Barbara Quast hinzu, sei eine Fördergruppe keine Einbahnstraße. Verbessere sich die Belastbarkeit der Behinderten, könnten sie wieder in die Werkstatt zurückkehren.

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