IM GERICHT Richter sieht Schuld auf beiden Seiten / 50-Jähriger im Dezember 2018 von Auto überrollt

Fahrlässige Tötung in Salzwedel – Verfahren gegen 26-Jährigen eingestellt

Salzwedel – Die Verhandlung vor dem Amtsgericht Salzwedel gegen einen 26-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung ist mit dem Einstellen des Verfahrens zu Ende gegangen.

Das Urteil kam nicht überraschend – Richter Klaus Hüttermann hatte diese Option bereits am Ende des ersten Verhandlungstages Ende August angedeutet.

Der Angeklagte hatte im Dezember 2018 beim Verlassen des Nissan-Autohauses, Vor dem Lüchower Tor, in Salzwedel mit seinem Paketlieferfahrzeug einen 50-jährigen Radfahrer überrollt. Dieser starb später im Krankenhaus.

Der zweite Verhandlungstag am Dienstag dauerte nur knapp 20 Minuten. Über den eigentlichen Tathergang wurde nicht mehr verhandelt. Richter Hüttermann fasste die Ereignisse von damals kurz zusammen: Der Radfahrer sei zwar in direkter Folge durch den Unfall zu Tode gekommen, aber vom Transporter nicht frontal erfasst worden. Vielmehr sei der Verunglückte beim Bremsen auf der regennassen Fahrbahn gestürzt und seitlich unter das Fahrzeug geraten, so der Richter. Alkohol oder Drogen konnten im Körper nicht gefunden worden.

Was die Angelegenheit für Polizei, Gutachter und Justiz erschwerte, war der durch Ersthelfer veränderte Tatort. Ohne deren lobenswertes Engagement herabzuwürdigen, habe dadurch der genaue Unfallhergang nicht mehr rekonstruiert werden können, schloss Hüttermann seine Ausführungen ab.

So blieb am Ende noch die Urteilsfindung. Einen Freispruch lehnte der Richter ab, fragte aber die beteiligten Parteien, ob sie mit dem Einstellen des Verfahrens wegen geringer Schuld einverstanden seien. Der Anwalt der Nebenklägerin, der Mutter des Verstorbenen, forderte eine Auflage in Form von Schadensersatzansprüchen; der Verteidiger des Angeklagten wies das wiederum zurück. Sein Mandant habe bereits genug mit den Folgen des Unfalls zu tun.

Der Angeklagte selbst bedauerte den Vorfall, sagte aber gleichzeitig, dass er damals aufgepasst hätte und dass es letztlich nur ein Unfall war. Der Richter stellte den Fall schließlich auf Kosten der Staatskasse ein. Die Mitschuld des Opfers, der damals laut Gutachten auf der falschen Straßenseite fuhr, sei erheblich gewesen.   hey

Rubriklistenbild: © dpa/Picture-alliance/Peter Steffen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare