Der Experte weiß: Bienen frieren nicht

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Imker Gerhard Leopold aus Gieseritz hat keine Zweifel, dass seine Bienenvölker die kalten Wintertage gesund überstehen. Wenn die Sonne scheint, wagen sich einige der Insekten trotz Minusgraden sogar nach draußen.

Gieseritz – Von Kai Zuber. Schnee und Eis, Minusgrade im zweistelligen Bereich – halten das Bienen aus? Diese Frage stellen sich zur Zeit nicht nur Naturfreunde und Honigliebhaber. Doch der Gieseritzer Imker Gerhard Leopold beruhigt die Gemüter: „Unsere Bienen frieren nicht“.

Leopold ist Mitglied des Imkervereins Salzwedel-Land. Seit vielen Jahren ist er dort aktiv, weiß ganz genau um die Befindlichkeiten der schwarzgelben Nutzinsekten.

Nachdem im Oktober der Brutvorgang abgeschlossen ist, beginnt der erste kalte Bienen-Monat mit nur wenigen Flugtagen. Bei einer Außentemperatur von etwa zwölf Grad hört der Flug gänzlich auf. „Wenn die Temperatur dann noch weiter sinkt, schließen sich die Bienen gemeinschaftlich zu einem kugelförmigen Wintersitz – der Traube – zusammen“, erklärt Gerhard Leopold.

Diese Wintertraube ist zur Isolation allseitig von leeren Zellen umschlossen und hat lediglich an den Randbereichen Anschluss an die Futtervorräte. Die Bienen verteilen sich in der Traube unterschiedlich: Im Außenbereich drängen sie sich dichter als im lockeren Innenbereich. In der Mitte hält sich die Königin auf.

„Durch Hechelbewegungen regeln Bienen die Temperatur in ihrem Winterquartier“, so der Gieseritzer Imker. Sollte diese im Inneren sinken, heizen die Bienen sie durch ständige Bewegung wieder an. Teilweise bis auf über 30 Grad.

Auch die Temperatur in den Randbereichen darf nicht in den Minusbereich absinken. Bienen, die längere Zeit dieser Temperatur ausgesetzt sind, sterben ab. Um dieses zu vermeiden, findet ständig eine systematische Umschichtung von außen nach innen statt. „Einige Tiere lassen sich jedoch durch die warme Mittagssonne nach außen locken. Falls sie sich dann aber auf dem kalten Schnee niederlassen, wird es für sie gefährlich“, so Leopold.

Während die Bienen in die Winterruhe gehen, muss der Imker stets rege bleiben. Waben müssen ausgeschnitten und Arbeitsmittel mit 60-prozentiger Ameisensäure desinfiziert werden. „Ständig müssen wir auf die Milbengefahr achten. Kälte macht ja den Bienen nichts aus, wohl aber Parasitenbefall“, erklärt Gerhard Leopold.

Übrigens hilft der Imker den Insekten mit etwas Isoliermaterial, um sie über den Winter zu bringen. „Früher überwinterten die Bienen in hohlen Bäumen. Heute wird das Holz meist durch etwas Styropor ersetzt“, so der Gieseritzer.

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