1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Salzwedel

Ex-Nationalspieler Lutz Lindemann diskutierte im „Hanseat“ mit Fußball-Fans

Erstellt:

Von: Renee Sensenschmidt

Kommentare

Autor Frank Willmann und Ex-Nationalspieler Lutz Lindemann
Autor Frank Willmann (l.) und Ex-Nationalspieler Lutz Lindemann diskutierten im Salzwedeler „Hanseat“ mit Fußball-Fans. © Sensenschmidt, René

Klein, aber fein war die Gesprächsrunde, die sich am Donnerstagabend im Salzwedeler „Hanseat“ eingefunden hatte, um mit Ex-Nationalspieler Lutz Lindemann, der einst 21 Länderspiele für die DDR bestritten hat, über die Weltmeisterschaft in Katar und die Situation im ostdeutschen Fußball zu diskutieren.

Salzwedel – „Fußball-WM und Fußball-Leidenschaft im Zeitalter der Kommerzialisierung. Macht Kommerz den Fußball kaputt?“ – Diese Frage stellte die Rosa-Luxenburg-Stiftung Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit den Kickerfreunden Salzwedel. Gemeinsam mit Lutz Lindemann, der seit vier Jahren beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) in der Sendung „Sport im Osten“ als Experte Begegnungen der Regionalliga und 3. Liga kommentiert, war der Autor Frank Willmann mit in die Hansestadt gereist. Der Berliner hat bereits mehrere Fußballpublikationen verfasst und die Geschichte von Lutz Lindemann im Buch „Optimist aus Leidenschaft“ niedergeschrieben.

„Mein Herz schlägt für den Ostfußball“, gibt Lutz Lindemann, der 1949 in Halberstadt geboren worden ist, unumwunden zu. Kein Wunder, blickt man auf dessen sportliche Laufbahn, die fast ein frühes Ende gefunden hätte. In der Jugend des 1. FC Magdeburg reifte Lutz Lindemann zum Jugend-Nationalspieler. Als 17-Jähriger wollte er nach Eisenhüttenstadt wechseln, aber die Vereins- und Verbandsverantwortlichen machten diesem Wunsch einen Strich durch die Rechnung und sprachen ein mehrjähriges Fußball-Verbot aus. Über Halberstadt und Nordhausen schaffte es Lutz Lindemann aufgrund seiner Fähigkeiten dann doch noch zu Rot-Weiß Erfurt und später zu Carl-Zeiss Jena in die DDR-Oberliga, in ein EC-Finale und auch noch in die National-Mannschaft. Nach seiner Laufbahn wurde der Halberstädter u.a. Trainer beim FC Erzgebirge Aue und Leiter eines Projektes in Pristina (Kosovo).

Lindemann kennt sich im Ost-Fußball aus und er ärgert sich darüber, dass der NOFV über die Regionalliga noch immer keinen direkten Aufsteiger in die 3. Liga hat. „Es gibt kein solidarisches Miteinander“, so der Ex-Fußballer, der im Gegensatz zu Frank Willmann („viel zu wenig“) dem damaligen DFV-Präsidenten Hans-Geog Moldenhauer keinen Vorwurf macht, dass er bei der Vereinigung der beiden Verbände nur zwei Erstliga- und sechs Zweitligaplätze für die DDR-Oberligisten herausgeholt hat. „Der Profifußball befindet sich in einer Blase, die sich immer mehr von der Basis verabschiedet“, kritisiert Lutz Lindemann, der sich freut, wenn er in unteren Ligen und bei Spielen der Jugend zusehen kann. Der Kommerz habe den Profifußball fest im Griff, es gehe um sehr viel Geld, das selbst unter den Profivereinen nicht gerecht verteilt werde.

Und natürlich war auch die WM in Katar ein großes Thema. „Jeder muss für sich entscheiden, ob er diese WM im Fernsehen boykottiert“, meinte Frank Willmann, der diesbezüglich die Machenschaften der FIFA kritisierte. Fußball ist die Weltsportart Nummer 1. Viele Länder freuen sich, dass sie in Katar dabei sind und blenden die negativen Begleiterscheinungen aus. Viele Fans denken genauso. „Die Mehrheit will unterhalten werden“, gab der Autor zu. Die Übertragung des WM-Spiels der deutschen National-Mannschaft gegen Costa Rica wurde von den Teilnehmern anschließend nicht boykottiert. Trotz des 4:2-Erfolges schied Deutschland aufgrund des gleichzeitigen 2:1-Sieges der Japaner gegen Spanien aus. „Es wird eine Zäsur geben, doch ändern wird sich nichts“, meinte Lindemann nach dem erneuten Vorrunden-Aus und glaubt nun, dass Frankreich seinen Titel verteidigen kann.

Auch interessant

Kommentare