Von Woche zu Woche

Etwas Entscheidendes vergessen: der eklatante Lehrermangel

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Gleich zwei Lehrerinnen fehlen an der Jübarer Grundschule. Und damit kommt die kleine Bildungseinrichtung ziemlich in Bedrängnis. Nun sollen Kollegen aus umliegenden Orten einspringen und unterstützen.
  • VonDavid Schröder
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Es vergeht nicht eine Woche, in der wir in der Altmark-Zeitung nicht über eines der drängendsten Probleme dieses Bundeslandes und damit auch der Region schreiben – der eklatante Lehrermangel.

David Schröder

In Salzwedel fehlen an einer Schule Pädagogen für naturwissenschaftliche Fächer, an der nächsten Bildungsstätte werden Kinder und Jugendliche gleich tageweise nach Hause geschickt, weil einfach keine Lehrkräfte mehr aufzutreiben sind. Auf dem Lande – wie in dieser Woche zwischen Klötze und Jübar – werden die Grundschullehrer kurzzeitig zum Lückenschließen versetzt. Wenn Lehrer dies hinnehmen (müssen), zeigt es die große Solidarität untereinander, doch eine echte Problemlösung ist es definitiv nicht. Genauso wenig, dass immer noch zahlreiche Leiterstellen an Grundschulen unbesetzt sind.

Was dem ganzen Schlamassel aber die Krone aufsetzt, ist der laufende Bundestagswahlkampf (morgen wird entschieden). Da treffen sich die Spitzenkandidaten von CDU und SPD, also Kanzlerin und ihr Herausforderer, zum TV-Duell und das Thema Bildung bekommt in 90 Minuten Diskussion, wenn man sie denn so nennen konnte, kaum zur Sprache.

Aber nicht, dass nur diese Parteien mit Bildung anscheinend nicht punkten wollen, auch die sogenannten Kleinen bekleckern sich im Wahlkampf nicht wirklich mit Ruhm. Die Grünen stürzen sich auf den Klimaschutz, die FDP sieht ganz chic aus, die Linke schaut auf die Renten und die AfD sieht vor Flüchtlingsangst kaum andere Themen. Aber die Bildung wird nirgendwo an vorderster Front genannt.

Was wird aus den Kindern, bei denen Chemie und Physikunterricht wochen- gar jahrelang ausfällt? Was soll ein Handwerksbetrieb mit jugendlichen Auszubildenden anfangen, denen elementare Kenntnisse fehlen? Ab und an fällt dann das Argument: „Bildung ist in Deutschland doch Ländersache.“ In diesem Fall bin ich vielleicht naiv, doch auch auf Bundesebene muss das Thema dringend mal wieder auf den Tisch. In Bildung – und zwar bundesweit – muss dringend investiert werden.

Was dort in Zukunft passiert, daran müssen sich die Politiker nach der Wahl messen lassen. Nicht an den vollmundigen Versprechungen zu Steuern, Renten etc. Nein, sie müssen daran gemessen werden, was sie in die Zukunft, also die Kinder, investieren. Geld ist genug da.

Von David Schröder

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