Störrisch, aber wehrhaft und wachsam: Huftiere können gegen Wolf helfen

Ein Esel als „Bodyguard“

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Der Esel als „Bodyguard“? Im Ernstfall können die störrischen Huftiere eine Herde mit Beißen und Treten recht gut verteidigen. Schafe (kleines Bild) sind leichte Beute für Isegrim. Da helfen neben Herdenschutz-Tieren nur teure Zäune.

Salzwedel / Altmark. Er hat nicht gerade den allerbesten Ruf unter den vom Menschen domestizierten Huftieren: der Esel. Auch nach hunderten von Jahren hat er sich zumindest einen Teil seiner Wildheit bewahrt.

Und genau das ist auch der Grund für seine Eignung als „Bodyguard“ für eine Schafherde im Falle eines Wolfsangriffs. Er ist störrisch, aber wehrhaft und wachsam gegen Wölfe. „Die grauen, zotteligen Vierbeiner können zumindest in Einzelfällen gegen Wolfsangriffe helfen“, sagt der Wolfsexperte Theo Grüntjens.

Auch eine Kombination des Esels mit Hütehunden sei möglich, so der Wolfsversteher, Forstmann und Buchautor. Als Herdenschutzesel werden Hausesel bezeichnet, die gezielt Schaf- oder Ziegenherden zugestellt werden, um diese vor den Angriffen von Großraubtieren wie Luchs, Bär oder Wolf zu schützen. „In einigen Teilen Deutschlands wurde der Einsatz von Eseln zu Herdenschutz bereits teilweise erfolgreich getestet“, so Grüntjens weiter.

Wolfsexperte Theo Grüntjens.

Doch was für den Wolfs-Artenschutz unter Umständen ein Erfolg ist, stellt viele Nutztierhalter vor Probleme, denn eine ungeschützte Nutztierherde kann trotz Elektrozaun leicht zur Beute der Wölfe werden. Mit den steigenden Schäden, insbesondere in der Schafhaltung, wird die Forderung nach effizienten Schutzmaßnahmen laut. Das hier entstehende Konfliktpotenzial kann laut World Wildlife Fund (WWF) Deutschland nur durch einen gut funktionierenden Herdenschutz entschärft werden. Denn, so die Argumentation des WWF: „Nur sinnvolle Schutzmaßnahmen bilden die Grundlage für die Akzeptanz des europaweit geschützten Wolfes.“ Gemäß dem Fachjargon der Naturschützer soll der Wolf „durch Negativerlebnisse abgeschreckt werden und somit verhindert werden, dass er eine geeignete Jagdmethode auf Nutztiere erlernt.“

Bei der Einzäunung wird der Einsatz von Euronetzen mit einer Mindesthöhe von 90 Zentimetern vorgeschlagen. Diese müssen über mindestens 3500 Volt verfügen. Neben dem Esel können auch Alpakas eine gute zusätzliche Schutzmöglichkeit darstellen, allerdings erfordert ihr Einsatz Fachkenntnis und Mehraufwand. Esel haben ein gutes Gehör und warnen bei Bedrohung frühzeitig und lautstark. Im Ernstfall können sie eine Herde mit Beißen und Treten recht gut verteidigen.

Ihre natürliche Abneigung gegen hundeartige Tiere macht sie laut WWF einerseits zu guten Wächtern vor Wölfen, kann jedoch andererseits die Arbeit mit Schutz- und Hütehunden komplizieren. Zu bedenken sei außerdem, dass Esel ursprünglich aus kargen Gebieten kommen und so genannte fette Weiden, wie zum Beispiel in der Altmark nicht gut vertragen. „Außerdem ist der Esel ein Herdentier und daher ist die Einzelhaltung zum Schutz vor dem Wolf fraglich“, ergänzt Theo Grüntjes. Und weiter: „Wölfe effektiv von Schafherden mit technischen Mitteln fernzuhalten – das wäre doch mal ein Forschungsauftrag für die Industrie“, so der niedersächsische Wolfsexperte.

Im Landkreis Diepholz in Niedersachsen wurde der Esel-Einsatz als „Bodyguard“ gegen Wolfsangriffe bereits erfolgreich getestet. Allerdings gelte das nur für einzelne Wölfe, räumt Grüntjens ein. Bei einem Wolfsrudel-Angriff auf eine Herde haben auch Esel keine Chance. Und noch etwas gibt es zu beachten, denn die grauen Huftiere können auch für Menschen durchaus gefährlich werden. Wie die Budapester Boulevardzeitung „Bors“ im Frühjahr 2013 berichtete, kam in Ungarn ein Mann bei einer gemeinschaftlichen Esel-Attacke durch Tritte und Bisse zu Tode.

Von Kai Zuber

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