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Erzieher gehen auf dem Zahnfleisch

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Von: Holger Benecke

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Kita-Eigenbetriebsleiterin Doris Gensch studiert den neuen Erlass sehr skeptisch. © Benecke, Holger

Noch läuft alles mit der Kinderbetreuung unter Pandemie-Bedingungen in Salzwedel. „Unter einem immensen persönlichen Einsatz der Mitarbeiter“, lobt Kita-Eigenbetriebsleiterin Doris Gensch. Wenn sie allerdings auf den seit gestern in Kraft getretenen Erlass des sachsen-anhaltinischen Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung blickt, sieht sie schwarz. Gemeint ist die empfohlene Kohortenbildung.

Und diese wird zum personellen Problem für den Eigenbetrieb. 175 Mitarbeiter kümmern sich in zwölf Einrichtungen um rund 1100 Kinder. „Es fallen immer Leute aus“, verweist Gensch auf Kranke, Corona-Quarantäne von Erzieherinnen und Mitarbeiter, die zu Hause bleiben müssen, weil deren Kinder in Quarantäne sind. Da wird die Personaldecke ganz dünn. „Ich kann ja schlecht Kohorten mit 100 Kindern bilden“, macht die Eigenbetriebschefin deutlich. Und: „Erfahrungen mit Kohorten haben wir ja schon gemacht, aber das war in der Notbetreuung und nicht im Regelbetrieb“, schildert sie das Problem.

Gensch hat sich nun über die Einrichtungen an die Elternkuratorien gewandt, um eine Lösung herbeizuführen. Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder mit verkürzten Öffnungszeiten, also acht Stunden, oder mit sogenannten Sammelgruppen, die zu den Randzeiten – morgens und abends – zusammengefasst werden. Doch dann wird es problematisch. Alle Kinder, die morgens von den Eltern vor der Arbeit zur Kita gebracht werden, müssten sich dann dort nach dem Vier-Augen-Prinzip testen lassen. Mit einer Viertelstunde Wartezeit will Doris Gensch gar nicht ausrechnen, wie lange Kinder und Eltern dann vor der Tür stehen müssen. Von der Winterwitterung einmal ganz abgesehen.

„Die Eltern müssen dann viel Zeit und Tests mitbringen“, sagt Gensch. Denn die Tests, die bislang zweimal pro Woche für ein Testen zu Hause an die Eltern ausgegeben werden, reichen dann nicht mehr aus. Außerdem hat die Eigenbetriebschefin ein Problem damit, wenn alle, die getestet werden, in einer Schlange vor der jeweiligen Einrichtung stehen. Deshalb will sie nun die Eltern entscheiden lassen, was das Beste für ihre Kinder ist.

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