Altmärkische Forste leiden besonders unter der Trockenheit

„Erstes Opfer der Klimakrise“

Herbstwald im Sonnenlicht bei Mellin: Besonders im Altmarkkreis Salzwedel häuften sich in den vergangenen Jahren die Schadensmeldungen zum Baumbestand infolge der Dürre.
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Herbstwald im Sonnenlicht bei Mellin: Besonders im Altmarkkreis Salzwedel häuften sich in den vergangenen Jahren die Schadensmeldungen zum Baumbestand infolge der Dürre.

Salzwedel/Altmark – Besonders im Altmarkkreis Salzwedel häuften sich laut dem Waldschutz-Meldeportal in den vergangenen Jahren die Schadensmeldungen. Das geht aus dem jetzt veröffentlichten aktuellen Waldzustandsbericht des Landes Sachsen-Anhalt hervor.

Dazu hatte die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt intensiv den Zustand der altmärkischen Wälder analysiert.

„Der Wald ist erstes Opfer der Klimakrise“, machte die zuständige Landesumweltministerin Claudia Dalbert darin deutlich. Schäden durch Insekten und Pilze haben zugenommen, wie das Forscherteam um die Forstexperten Martin Rohde, Rainer Hurling, Gitta Langer, Johanna Bußkamp, Pavel Plasil und Ines Graw zum Ausdruck brachte.

Besonders Buchdrucker, Kupferstecher und Lärchenborkenkäfer machen den Nadelbäumen zu schaffen. Bis zum Jahresende 2019 übertraf das Schadensausmaß des Borkenkäferbefalls insbesondere beim Buchdrucker an der Fichte die enormen Schadensumfänge des Vorjahres nochmals erheblich. Daher konnten erneut vielerorts sehr große Käfermengen überwintern. „Der milde Witterungsverlauf des Winters 2019/2020 und des folgenden Frühjahrs führte zu sehr frühen ersten Schwärmflügen stammüberwinternder Borkenkäfer“, konstatierte das Forscherteam. Nach einem Kälteeinbruch zwischen Ostern und Pfingsten traten auch die bodenüberwinternden Borkenkäfer in Erscheinung. Das Fraßgeschehen des Eichenprozessionsspinners war dagegen in Sachsen-Anhalt rückläufig.

Die Buchen litten erneut unter der Dürre. Auch das Eschentriebsterben und die Rußrindenkrankheit des Ahorns sind in der Altmark zu beobachten. Das so genannte Diplodia-Triebsterben der Kiefer hat ebenfalls in beiden nördlichen Landkreisen Sachsen-Anhalts große Ausmaße angenommen, wie die Experten der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt analysierten.

Allgemein gesehen liegt der Schwerpunkt der Baumschäden bei allen Bäumen im Bereich der mittelalten und alten Bestände in Abhängigkeit von der jeweiligen Standortswasserbilanz. Auf die Fichten entfällt das größte Ausmaß der Schäden durch Sturm, Trockenheit und Insektenbefall. 60 Prozent der Schadholzumfänge betreffen die Fichte und etwa 23 Prozent die Kiefer. Bei der Eiche bleibt das Schadgeschehen auf dem Vorjahresniveau bestehen. „Aufgrund der Schäden vergangener Jahre steht derzeit die Wiederaufforstung der Schadflächen im Mittelpunkt des Interesses“, machte Ministerin Dalbert deutlich.

Als klimaresistente Baumarten für Aufforstungen empfehlen sie die Douglasie, Elsbeere, Winterlinde, Roteiche und den Spitzahorn.

Fazit der Experten um die hauptverantwortlichen Forscher Prof. Dr. Johannes Eichborn und Dr. Uwe Paar: „Die Vielfalt ist ein Garant für Überleben, und das auf allen Ebenen: der genetischen Mannigfaltigkeit, den Artenreichtum und der Vielfalt der Ökosysteme, aber auch der Vielfalt der Bewirtschaftungs- und Nutzungssysteme. Dafür bietet die multifunktionale Forstwirtschaft gute Voraussetzungen.“

Durch die Anlage und die Unterhaltung von Samenplantagen und Mutterquartieren auf einem kleinen Teil der Waldfläche werde dieses Ansinnen optimal unterstützt.

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