Erdbeben auch in der Altmark möglich

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Lothar Lehmann, Pressesprecher der Bürgerinitiative, zeigt auf der Karte die vier von Geologen verzeichneten größeren Erdbeben zwischen Salzwedel und Klötze in den vergangenen 30 Jahren.

Altmark - Von Kai Zuber. Was viele nur aus den Nachrichten kennen, gibt es ebenso bei uns: Erdbeben werden in der Altmark gemessen und registriert. Mit einem Unterschied: Die „seismischen Ereignisse“, wie sie in Fachkreisen genannt werden, sind zwischen Arendsee, Klötze und Salzwedel eher durch den Bergbau hervorgerufen worden.

Insbesondere die Erdgasbohrungen und die damit verbundene Förderung des Gases fordert ihren Tribut. Die Bürgerinitiative (BI) gegen die CO2-Verpressung in der Altmark hat auf Anfrage eine Analyse aller Erdbeben in der Region erhalten. In einem Schreiben teilte das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt mit, dass in den vergangenen 30 Jahren vier bergbauinduzierte Beben gemessen wurden. Dem Schreiben von Staatssekretär Jürgen Stadelmann lag auch eine Karte mit Tabellenangaben des zuständigen Landesamtes für Geologie und Bergwesen bei.

Resultat: Das schwerste der vier gemessenen Erdbeben fand am 21. Dezember 1984 statt. Nachts um 0.33 Uhr wurde bei Henningen ein Beben der Stärke 2,6 gemessen. Das Beben fand in einer Tiefe von drei Kilometern unter der Erde statt. Das zweitstärkste Erdbeben verzeichneten die Geologen am 21. Juli 1993 um 4.22 Uhr bei Langenapel / Ellenberg. Es fand in der selben Tiefe statt und hatte immerhin eine Stärke von 2,1 auf der Richterskala. Schließlich wurden noch zwei weitere Beben, am 18. März 1999 bei Klötze und am 16. Oktober 2005 bei Salzwedel, registriert. Beide bergbauinduzierten Erschütterungen wurden in einem Kilometer Tiefe gemessen und hatten Stärken um 1,9 und 2 auf der Skala.

Zur Erklärung: Diese Beben nimmt ein stehender Mensch kaum wahr. Man muss schon mit dem Rücken flach auf dem Boden liegen oder sich zum Beispiel hoch oben auf einem Kirchturm befinden, um die Schwingungen zu spüren. „Für uns als Gegner der CO2-Verpressung gibt dieser zeitliche Ausschnitt aus dem Erdbebenkatalog jedoch wichtige Erkenntnisse: Es gibt diese Erdbeben und es gibt sie in den Tiefen, die uns interessieren“, erklärte BI-Sprecher Lothar Lehmann während der Versammlung am Dienstagabend in Altensalzwedel.

Etwas enttäuscht waren die Aktivisten allerdings von der knappen Erklärung Jürgen Stadelmanns, keine weiteren Auskünfte geben zu können. Über seinen Hinweis, sich „in dieser Angelegenheit an die Gaz de France Suez zu wenden“, konnten die Mitglieder der Bürgerinitiative nur schmunzeln. „Heißt das jetzt, dass der Konzern die geologischen Kontrolleure bezahlt?“, fragte BI-Moderator Tommy Berger in die Runde. In der Tat sind fundierte Informationen zu dem heiklen Thema rar und werden von den zuständigen Verwaltungen gern mit der Begründung zurückgehalten, dass „für die Bevölkerung keine Gefahr“ besteht. Auch die Bergämter halten sich mit Informationen bedeckt. Für die BI sind die Erschütterungen in Tiefen bis zu drei Kilometern indes ein weiteres Indiz in ihrer Argumentationskette über die unabsehbaren Risiken der Kohlendioxidverpressung in der Altmark: „Absolute Dichtheit kann niemand garantieren“, hieß es am Dienstagabend in Altensalzwedel.

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