Hunde und Katzen werden in den Ferien vermehrt ausgesetzt / Alternativen gibt es genug

Endstation Tierheim: Wenn die Vierbeiner stören

+
Gerade zur Ferienzeit werden die sonst so geliebten Haustiere zu Störenfrieden. Viele sehen da nur einen Ausweg und setzen die Vierbeiner an Raststätten aus. Tierheime sind dann oft die letzte Station für die ehemaligen Familienmitglieder.

Salzwedel. Es scheint eine traurige Tradition geworden zu sein. Der Urlaub ist gebucht, die Koffer sind gepackt, das Haustier wird an einer Mülltonne angebunden, an einer Raststätte ausgesetzt oder direkt vor dem Tierheim abgestellt.

Gerade zu Beginn der großen Sommerferien steigt die Zahl der ausgesetzten Vierbeiner. „In den städtischen Ballungsräumen ist die Lage in den Tierheimen um einiges schwieriger. Bei uns hält sich die Zahl der gefundenen Tiere in Grenzen“, erklärt Katrin Laule, Leiterin des Tierheims Salzwedel.

Nachbarn und Freunde können bei Pflege helfen

Tierheimleiterin Katrin Laule sucht für die neunjährige Pit-Bull-Dame Hanna ein neues Zuhause.

Eine mögliche Erklärung sieht Laule in der dörflichen Verbundenheit. „Hier kennt man sich, man steht seinen Nachbarn näher. Und die sind oft bereit, sich in der Urlaubszeit um die Haustiere zu kümmern.“ Sollten Haustierbesitzer nicht auf diese Lösung zurückgreifen können, bietet das Tierheim Salzwedel die Aktion „Nimmst du mein Tier, nehm ich dein Tier“, des Deutschen Tierschutzbundes an. Dabei werden Tierhalter zusammengebracht, die sich in der Urlaubszeit gegenseitig um die Tiere des anderen kümmern. Auch Menschen, die kein eigenes Tier besitzen, können sich um ein Pflegetier kümmern. Sie werden dabei gegebenenfalls mit Expertentipps unterstützt.

Auch das Angebot, die Tiere im Tierheim selbst während der Urlaubszeit in Pension zu geben, gibt es. „Wir brauchen zwar schon ein bisschen Anlaufzeit, um da jemanden zu finden oder einen Pensionsplatz stellen zu können, aber bis jetzt haben wir noch jedes Tier zur Pflege unterbringen können“, so Laule und rät dazu, sich rechtzeitig – am besten schon bevor der Urlaub gebucht wird – um die Versorgung des Haustieres zu kümmern.

Ausgesetzte Tiere sind meist Weihnachts-Opfer

Derzeit kümmert sich das Tierheimteam um Katrin Laule um 40 Katzen und 13 Hunde. Oft sind die vorherigen Besitzer mit der zeitintensiven Pflege und Betreuung überfordert. Der Welpe, der unter dem Weihnachtsbaum noch süß aussieht, wird kurz vor dem dreiwöchigen Türkei-Urlaub zum Störfaktor.

Rund 70 000 Tiere werden jährlich vom geliebten Familienmitglied zum unerwünschten Störenfried. Und Tiere aussetzen ist kein Kavaliersdelikt. Nach dem Tierschutzgesetz muss jeder, der ein Tier vorsätzlich oder fahrlässig aussetzt oder zurücklässt, mit einer Geldbuße von bis zu 25 000 Euro rechnen.

„Bevor man sich ein Haustier anschafft, sollte man sich darüber bewusst sein, dass Tiere viel Pflege brauchen. Dass ist wie mit einem Kleinkind. Und auch der finanzielle Aspekt sollte nicht außer Acht gelassen werden“, so Laule.

Das Tierheim Salzwedel bietet dafür neben Tierpatenschaften auch die Möglichkeit, die Heimhunde auf kleinere Spaziergänge auszuführen oder bei den Kleintieren die Käfige mitzusäubern. „Einfach, um ein Gefühl dafür zu bekommen, dass die Tiere auch feste Bindungen brauchen“, appelliert die Tierheimleiterin. Die Tiere würden den ehrenamtlichen Paten für ihre Zuneigung sehr viel Freude zurückgeben. Mehr Informationen zu den Projekten gibt es im Internet unter www.tierheim.salzwedel.de und unter Tel. (03 901) 27 739.

Von Katja Lüdemann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare