Früher steppte der Bär im Niephagener „Waldschlösschen“ / Kreis greift ein und macht Areal für 1150 Euro dicht

„So ein Ende hat dieser Ort nicht verdient“

Das Niephagener „Waldschlösschen“ heute: Der Altmarkkreis hat das Areal für 1150 Euro dichtmachen lassen. Das wird der Eigentümerin, die sich bislang und trotz mehr mehrfacher Aufforderung nicht gekümmert hat, in Rechnung gestellt. Fotos: privat
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Das Niephagener „Waldschlösschen“ heute: Der Altmarkkreis hat das Areal für 1150 Euro dichtmachen lassen. Das wird der Eigentümerin, die sich bislang und trotz mehr mehrfacher Aufforderung nicht gekümmert hat, in Rechnung gestellt.
  • Holger Benecke
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Niephagen. 1150 Euro hat der Altmarkkreis dafür ausgegeben, das Niephagener „Waldschlösschen“ zu sichern. Das wird natürlich der Eigentümerin in Rechnung gestellt. Was nun mit der Ruine geschieht, steht in den Sternen.

Bis kurz nach der Wende tummelten sich dort die Ausflügler. Und das nicht nur zum Herrentag. Zudem war die Gaststätte mit ihrem Jagdzimmer im ehemaligen Forsthaus für ihre Wildgerichte bekannt. Es wurde sogar angebaut, um die Gäste mit einem Eiscafé auf dem Hof zu verwöhnen. Zuletzt spielten Discjockeys im großen Saal, bevor das gesamte Objekt verkauft wurde.

1932 genießt der Ellenberger Lehrer Adolf Thoms mit seiner Gattin Ilse sowie den Kindern Wolfgang und Ilse-Marie das Idyll.

Auch schon frühere Generationen wussten das idyllische Ambiente im Wald zu schätzen. So erinnert sich Wolfgang Thoms, dass im Sommer 1932 die Ellenberger Schüler mit seinem Vater, dem Lehrer Adolf Thoms, einen Abstecher nach Niephagen machten. Während der Pädagoge sich mit seiner Gattin in frischer Waldesluft eine Flasche Winzheimer gönnte, gab es für die Jungen und Mädchen Fassbrause.

Eine alte Postkarte zeigt das Waldlokal gegenüber des „Waldschlösschens“ – dazwischen verläuft die Landesstraße 8.

Damals besaß das „Waldschlösschen“ noch eine Waldbühne samt Tanzfläche auf der gegenüberliegenden Straßenseite der L 8, über die die Kellner Speisen und Getränke schleppten. Auf der Waldbühne spielten in der sonnigen Jahreszeit Streich- und Tanzorchester auf. Ansonsten gaben die Musiker auf dem Saal der Gaststätte ihre gut besuchten Konzerte, erinnert sich Wolfgang Thoms.

Mit Blick auf die heutige Situation rund um das „Waldschlösschen“ ist der ehemalige Ellenberger entsetzt und sagt: „So ein Ende hat dieser Ort nicht verdient.“

Von Holger Benecke

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