Kita-Betreuung: Elternvertreterin Maria Bode schickt Hilferuf zur Ministerin

„Die Wahl zwischen Pest und Cholera“

frau mit kind
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Maria Bode mit ihrem Sohn Frederick: Die Vorsitzende der Salzwedeler Gemeindeelternvertreter hat einen Hilferuf an die Gesundheitsministerin geschickt.
  • Holger Benecke
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Maria Bode, Vorsitzende der Salzwedeler Gemeindeelternvertreter, hat sich mit einem Hilferuf an die Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung in Sachsen-Anhalt, Petra Grimm-Benne, gewandt. Es geht um den neuen Erlass für die Kindertagesstätten.

Salzwedel - Für die empfohlene Kohortenbildung und das Testen vor Betreten der Einrichtungen fehlt in den Tagesstätten das Personal. „Mir ist zum Heulen zu Mute, und das geht vielen Eltern so. Ich habe schlaflose Nächte. Bekomme Hassnachrichten von Eltern“, schreibt Maria Bode der Ministerin. Und weiter: „Ihr Erlass hat unsere leider hohe Inzidenz-Gemeinde schwer getroffen. Vor allem den Kita-Eigenbetrieb. Ich selbst bringe meine Kinder seit Wochen nicht mehr in den Kindergarten, weil ich nicht möchte, dass sie sich anstecken, aber nicht jeder hat das Glück Großeltern vor Ort zu haben, um so was zu ermöglichen.“

Ab Januar neue Zeiten

Der Salzwedeler Kita-Eigenbetrieb, der durch volle Stundenkonten, Mitarbeiter in Quarantäne und Urlaub trotzdem versucht, den Regelbetrieb unter Corona-Bedingungen aufrecht zu erhalten, will ab 1. Januar in mehreren Einrichtungen die Öffnungszeiten verkürzen. „Das ist für sehr viele Eltern eine schwere Katastrophe“, sagt Bode. Denn viele Eltern würden in systemrelevanten Berufen in Schichten arbeiten und/oder weit zur Arbeit fahren müssen. „Deshalb hat fast jeder Elternvertreter dem nicht zu gestimmt“, konstatiert Maria Bode, die aber auch mit der Alternative konfrontiert wurde: Schließungen für mehrere Tage im Monat.

„Das ist gelinde gesagt, die Wahl zwischen Pest und Cholera“, kommentiert die Elternvertreterin. Auf ihre Nachfrage beim Jugendamt wurde ihr bestätigt, dass der größte Träger, der städtische Kita-Eigenbetrieb, tatsächlich ein Personalproblem habe. „Erschwerend kommt hinzu, dass durch Ihren großzügigen Erlass“, schrieb Bode an die Ministerin, „keiner, weder das Jungendamt noch der Landrat, eine klare Entscheidung trifft. Weshalb sich unser Träger nun mit aller Macht an seltsame Lösungen klammert.“

Bezahlte Tests

Angeblich gäbe es nur noch die Alternative, dann vor den Einrichtungen täglich zu testen – bei Wind und Wetter – weil so morgens Sammelgruppen möglich wären“, kritisiert Bode. Und kommt dann auf weitere Probleme zu sprechen: Zwei Tests pro Woche werden bezahlt, für die restlichen Tage müssen die Eltern selbst welche kaufen. „Nur wo? Tests sind gerade Mangelware. Das stößt natürlich auf diverse Widerstände bei vielen Eltern“, berichtet Maria Bode aus der Praxis. Und sagt: „Einige Eltern wollen ihre Kinder gar nicht testen – für uns Vertreter keine Option. So bekommen wir das sonst nie in den Griff.“

Ob es möglich sei, für den Kita-Bereich Tests für fünf Tage die Woche zur Verfügung zu stellen, so wie es auch in den Schulen gehandhabt wird“, will die Vorsitzende der Gemeindeelternvertreter von Ministerin Grimm-Benne wissen. Außerdem: „Warum gibt es für den Kitabereich keine Testpflicht? Wir wären konsequent dafür, dass nicht getestete Kinder zu Hause bleiben müssen.“ Maria Bode meint: „Wir haben nur die Alternative: impfen oder testen.“ Die Ständige Impfkommission empfehle für unter Zwölfjährige, nur die Kinder mit Vorerkrankungen zu impfen, erinnert Bode.

Eine weitere Überlegung der Salzwedeler Eltern, deren Entscheidung aber auf der Minsterinnenebene liegt, war, den Personalschlüssel mindestens kurzfristig aufzulockern. „Sodass die Träger auch die Stunden der willigen Angestellten – davon gibt es viele – aufstocken könnten und dem entsprechend die Ausgleichszahlung vom Land erhalten“, empfiehlt die Elternvertreterin in ihrem Brief an die Landeshauptstadt. Und erinnert: „2015 mit der Flüchtlingswelle wurde ebenfalls ein Kontingent dafür aufgemacht.“

Es werde in der Pandemie viel von allen abverlangt, da müsse es doch möglich sein, auch im öffentlichen Bereich flexibel zu agieren, vergleicht Maria Bode mit der Wirtschaft. Sollte es zu Einschränkungen der Öffnungszeiten kommen, befürchtet sie, dass sich die Kinderbetreuung wieder in den privaten Bereich in den Familien- bzw. Freundeskreis verlagere: „So vermischen sich die Kohorten ja dann doch wieder.“

Flexibel reagieren

Weiterhin verunsichere die Nicht-Vorgabe einer Kohorte größe Träger und Jugendamt, hat Bode beobachtet: „Ich kann verstehen, warum sie dies nicht machen, damit flexibel und individuell reagiert werden kann. Nur verhält es sich so, dass das Gesundheitsamt auch Probleme hat, die Quarantänebescheide zu versenden, wenn plötzlich 60 Kinder zuzüglich Eltern und Erzieher in Quarantäne müssten.“ Auch dort fordert die Elternvertreterin mehr Flexibilität, indem Einrichtungen und Träger befugt würden, die Quarantäne zu bestätigen und die Anträge auf Lohnfortzahlung an die Eltern zu versenden, damit diese ihren Anspruch rechtzeitig vorliegen haben.

Niemand möchte den eingeschränkten Regelbetrieb haben, bittet Maria Bode die Ministerin zu helfen, damit die Kitas dies personell und rechtlich umsetzen können und nicht die arbeitenden Familien darunter leiden müssen: „Weil andere – aus was für Gründen auch immer – sich nicht impfen lassen.“

Die Vorsitzende der Gemeindeelternvertreter macht sich für fünf Tage in der Woche kostenlose Tests und mehr personellen Spielraum stark, „damit das ganze System nicht zusammenbricht“.

Sie schloss ihr Schreiben vom Dienstag an die Ministerin: „Über eine schnelle Rückmeldung wäre ich Ihnen sehr dankbar. Wir Eltern sitzen schon wie auf Kohlen, weil wir nicht mehr ein noch aus wissen.“ Eine Antwort hatte sie bis gestern nicht.

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