Zwei Hirsche verfingen sich im Zaun einer BUND-Fläche / „Der Draht muss weg“

Elend zugrunde gegangen

Hirsche
+
Grausiger Anblick: Als die elend verendeten Rothirsche – ein ungerader 14- und ein Zwölfender – gefunden wurden, hatte sich schon anderes Wild über sie hergemacht.
  • Holger Benecke
    VonHolger Benecke
    schließen

Zwei verendete Hirsche sorgen bei Revierleiter und Förster Robert Ettrich sowie den Vertreter der Eigentümer der Buchhorst, Karl Mente, für großen Unmut. Die Tiere waren bereits am 9. Oktober entdeckt worden. Die beiden Rothirsche – ein ungerader 14- und ein Zwölfender – hatten sich offenbar während ihrer Brunftkämpfe in einem Draht zwischen der Buchhorst und dem Blütlinger Forst an der Landesgrenze zu Niedersachsen verfangen und waren elend verendet. So die Vermutung an Hand der Spuren.

Salzwedel - Erst Tage später, nachdem sich schon anderes Wild über die Kadaver hergemacht hatte, wurden die beiden, schon halb verwesten Hirsche entdeckt. Der Zaun gehört zu Flächen des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Dieser hat das Areal entlang der ehemaligen DDR-Grenze, die heute zum Grünen Band gehören, zum Bewirtschaften übergeben.

Zaun zerschneidet Wildnisgebiet

„Der Draht muss weg“, sagen Ettrich und Mente, die dessen Sinn ohnehin nicht verstehen. „Die Fläche wurde das ganze Jahr über nicht bewirtschaftet, ja noch nicht einmal gemäht“, hat Mente beobachtet. Und sieht deshalb den Zaun, dessen seiner und der Meinung des Försters nach, viel zu dick ist, als überflüssig an. „Was macht der Draht dort, wenn gar keine Tiere auf der Weide sind?“, fragte Förster Ettrich.

Im dicken Draht verfangen: Zwei Rothirsche sind beim Brunftkampf in den Zaun einer BUND-Fläche geraten.

Der Bewirtschafter habe in den Jahren zuvor dort ab und an Mutterkuhherden weiden lassen. Doch auch dann hätte der Draht weitaus dünner sein müssen, sodass dieser von flüchtendem Großwild auch durchbrochen werden könne, schildert Mente seine Anstrengungen, als er die Hirsch-Kadaver aus Draht geschnitten hat. „Wir haben das Problem Koppeldraht in den vergangenen Jahren mehrfach an den BUND herangetragen“, erinnert sich Revierleiter Ettrich.

„Schon, als der Zaun vor Jahren gebaut wurde“, sagt der Förster. Er habe auch nicht verstanden, warum der Zaun dort dauerhaft, also das ganze Jahr über, stehen müsse. „Die Wildschweine laufen darunter durch – das Großwild nicht“, verweist Ettrich auf die verendeten Hirsche. Und auch für Rehe sieht er eine große Gefahr, wenn diese in Panik mit dem Hals gegen den dicken gespannten Draht laufen. „Der ist einfach zu stark, als dass er vom Wild zerrissen werden kann“, ärgert sich der Revierleiter.

Förster spricht von Tierquälerei

Was ihn noch ärgert: Dass gerade der BUND solch ein Wildnisgebiet mit einem Zaun durchschneiden lässt. Man könne nicht über das eigene Vorgehen die Hand halten und auf andere mit dem Finger zeigen, macht der Förster seinem Unmut Luft. Und: „Wir prüfen, ob wir wegen der Rothirsche eine Anzeige machen“, sieht der Förster den Tatbestand der Tierquälerei erfüllt.

Zwischen Buchhorst und Blütlinger Forst wurden die beiden Rothirsche gefunden.

„Das ist nicht gut, was sich dort ereignet hat“, kommentiert Dieter Leupold, BUND-Koordinator am Grünen Band, auf AZ-Nachfrage. Der Landwirt habe einen durchaus zulässigen Draht eingesetzt, schätzte Leupold ein, will aber schauen, was getan werden kann. „Wir überlegen, ob wir dort die Beweidung auf Mähnutzung umstellen“, sagt der BUND-Koordinator. Dann käme der Draht ganz weg.

„Es gab keine Hinweise, dass der Draht zu dick ist“, beklagt Leupold. Der Draht sei schon des Öfteren durchschnitten worden, berichtet Leupold weiter. Er frage sich deshalb, ob sich die beiden Rothirsche nicht in den durchschnittenen Enden verfangen hätten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare