AZ-Experte Reinhard Zakrzewski blickt zurück auf das Wetterjahr 2012

Die eisigsten Tage seit 1947

Das Jahr 2012 begann in der Altmark mit eisigen Tagen – doch am Ende reichte es wieder nicht für weiße Weihnacht. Foto: dpa

Altmark. Das Jahr 2012 neigt sich dem Ende entgegen und so lohnt sich ein Blick auf das Wetter der vergangenen zwölf Monate. In der Altmark war es von viel Mittelmaß geprägt.

Unwetterschäden blieben weitgehend aus, obwohl es durchaus einige markante Wetterereignisse und auch Rekorde gab.

Der Januar starte vorfrühlingshaft mild und endete eisig. Gleich am 2. Januar wurden mit maximal 13 bis 14 Grad neue sagenhafte Tagesrekorde aufgestellt.

Anfang Februar holte Väterchen Frost dann zu einem unerwartet massiven Tiefschlag aus. Zwischen dem 31. Januar und 12. Februar erfasste uns an der Südflanke eines nordosteuropäischen Hochs ein heftiger sibirischer Kaltluftausbruch. Mit einer negativen Temperaturabweichung von rund zehn Grad war die erste Februardekade in der Altmark die kälteste seit 1947 und zudem die sonnigste seit 1929. In der Nacht vom 5. auf den 6. Februar fiel das Quecksilber in Seehausen auf minus 21,9 Grad, in Gardelegen auf minus 20,6 Grad, am Boden auf minus 26,7, beziehungsweise minus 24,1 Grad. So schnell wie die Kälte kam, ging sie auch wieder. Gemessen am Klimamittel (1961-1990) endete der Winter 2011/2012 um 1,6 Grad zu mild, 30 bis 40 Prozent zu feucht, aber auch ein Viertel bis ein Drittel zu sonnig.

Im März ließ der Frühling sein blaues Band schon sehr schön flattern. Anhaltend hoher Luftdruck über weiten Teilen Europas war der Grund dafür, dass wir den wärmsten sowie einen der trockensten und sonnigsten Märzmonate seit Beginn der Aufzeichnungen erlebten. Mit einem Temperaturplus von 3,9 Grad verzeichnete Gardelegen einen neuen Monatsrekord.

Der April machte seinem Namen alle Ehre. Anhaltende Wetterkapriolen sorgten für häufige Niederschläge und viel Wind. Besonders unpassend war die Kältewelle um Ostern, die Schnee- und Graupelschauer teilweise bis ganz runter brachte. Am 28. April sorgte ein kurzer Warmluftvorstoß vom Mittelmeer mit Werten bis 29 Grad fast schon für Hochsommergefühle.

Nach dem Warmstart des Mai gaben die Eisheiligen mit einzelnen Nacht und häufigen Bodenfrösten vom 12. Mai bis zum Himmelfahrtstag ein ungewöhnlich langes Gastspiel. Doch dann schaltete die Atmosphäre in nur wenigen Tagen auf Sommer um. In subtropischer Warmluft wurde örtlich zweimal die 30-Grad-Marke geknackt (Gardelegen 31,5 und 30,8 Grad am 22./23. Mai, Seehausen 31,0 am 22. Mai.). So endete das Frühjahr als einzige Jahreszeit in der Altmark deutlich um 2,4 Grad zu warm, ein Drittel bis zur Hälfte zu trocken und neun bis 17 Prozent sonniger als üblich

Es folgte ein gefühlt trüber und verregneter Sommer, obwohl uns Juni, Juli und August zusammengenommen normales norddeutsches Sommerwetter brachten. Das freute die Landwirte, die überwiegend eine gute Ernte einfuhren, aber ärgerte die Urlauber. Während der Juni durch kühles und sehr wolkenreiches Wetter besonders unangenehm auffiel, verwöhnte uns der anfangs regenreiche Juli mit Beginn der Hundstage (23. Juli) durch einige hochsommerliche Badewettertage.

Am besten kam der August weg. Highlight war die kurze aber massive Hitzewelle vom 18. bis 20. August. Backofenluft aus Afrika brachten Temperaturen die an der Obergrenze des jahreszeitlich Möglichen lagen. Am 19. August kletterte das Quecksilber auf das Jahresmaximum von über knapp 36 Grad (Seehausen 36,2, Gardelegen 36,5 Grad), womit die bisherigen Bestmarken für die zweite Monatsdekade aus dem legendären Hitzesommer 2003 noch in den Schatten gestellt wurden.

Wie schon der Sommer erhob auch der Herbst das Mittelmaß insgesamt zum Prinzip, obwohl der Oktober mit erheblichen Witterungsgegensätzen aufwartete. In lebhafter Erinnerung wird wohl den meisten die zweite Monatshälfte sein, als sich innerhalb von gut einer Woche Spätsommer und Frühwinter mit Höchstwerten von 23 Grad (20. Okt.) beziehungsweise Tiefsttemperaturen bis minus 4,9 Grad (29. Okt) begegneten.

Der Dezember brachte uns schon eine ganze Menge Winter und damit die Hoffnung auf weiße Weihnachten. Doch das gefürchtete Weihnachtstauwetter ließ die weiße Pracht auch diesmal genau zu den Festtagen dahin schmelzen.

An der feuchtmilden Richtung wird sich auch zum Jahreswechsel nichts ändern. Regenschirm und Windjacke werden gefragt sein und vielleicht noch ein geschütztes Plätzchen, um das Silvesterfeuerwerk trocken und windsicher zu starten.

Von Reinhard Zakrzewski

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