Mit Strom statt Dampf nach Uelzen

Eisenbahnhistorie: Abbestellte Strecken und hohe Miete machen Verein zu schaffen

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Treffen von drei Generationen am Salzwedeler Lokschuppen: Im Vordergrund die Großdiesellok V 118 692-3, dahinter die Dampflok „Emma“, an der ein ICE 3 vorbeirauscht. Dieses Bild wird es in Salzwedel nie mehr geben.

Altmark – Der am 29. April 1994 gegründete Verein Dampflokfreunde Salzwedel hatte sich zum Ziel gesetzt, die Bahntradition für die nächsten Generationen zu erhalten.

Zu den Veranstaltungen des Vereins kamen die Eisenbahnfans – egal, ob Jung oder Alt, aus nah oder fern – in Scharen. Und das, obwohl die Sonderfahrten mit der Dampflokomotive 50 3682-7 immer weniger wurden.

Die Dampflok 50 3552-2 fährt heute immer noch in Hanau (Hessen). Hier noch mit einem Güterwagenpark auf dem Salzwedeler Lokschuppengelände.

Der hohe Mietpreis der DB-Immobilien für den Lokschuppen und das gesamte Gelände belasteten den Verein immer mehr und schränkten dessen finanziellen Möglichkeiten weiter ein. Zudem unternahm der Vermieter, die Deutsche Bahn AG, keinerlei Anstrengungen, dringend notwendige Reparaturen ausführen zu lassen. Es regnete im Lokschuppen an vielen Stellen auf den mit viel Arbeitskraft und finanziellem Aufwand erhaltenen historischen Fahrzeugbestand.

Ein langes Wochenende der Museen in Salzwedel im August 2005 ging natürlich nicht ohne die Dampflokfreunde. Ein Harley-Davidson-Konvoi donnerte durch die Hansestadt zum Lokschuppen.

Der Rockschuppen

Auf dem gut vorbereiteten Gelände konnten die neben den Dampfloks ausgestellten Edel-Zweiräder von den Besuchern ausgiebig begutachtet werden.

Dampfrösser vor dem Salzwedeler Lokschuppen: Sie waren der Anziehungspunkt für tausende Besucher, die zu den Veranstaltungen der Dampflokfreunde pilgerten.

Die Museen des Altmarkkreises in Salzwedel und das DDR-Museum von Wolfgang Müller – zu denen vom Lokschuppen aus ein Pendelbus eingesetzt wurde – rundeten das Programm ab. Und am Abend wurde der Lokschuppen bei einem Konzert zum Rockschuppen. Am nächsten Tag dampften die Harleys wieder ab. Diese einmalige Veranstaltung der Dampflokfreunde ging mit Unterstützung des Altmarkkreises und der Altmark-Zeitung über die Bühne.

Große Pläne

Mit dem Abbestellen der DB-Strecken Salzwedel-Oebisfelde (2002) und Salzwedel-Geestgottberg / Wittenberge (2004) blieb für die Dampflokfreunde die Frage offen: Wie geht es weiter – vor allem mit den Sonderfahrten? Die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) aus dem Raum Berlin mietete beide Bahnstrecken an und hatte ganz große Pläne. Doch die DRE hatte bereits die Strecke Dannenberg / Ost-Lüchow gekauft – bis heute ist dort nichts passiert.

Viel freiwillige Arbeit

Für die Salzwedeler Dampflokfreunde kam also für Sonderfahrten nur noch die Strecke Salzwedel-Arendsee in Frage. Doch vor jeder Fahrt der Dampflokfreunde musste die Strecke freigeschnitten werden, Bahnübergänge und Bahnsteige in Ordnung gebracht werden – mit viel freiwilligem Arbeitseinsatz.

Der Hansetag

Zum Internationalen Hansetag 2008 in Salzwedel sollten die Dampflokfreunde mit ihrer 50 3682-7 einen Sonderzug mit Ehrengästen in die Partnerstadt Uelzen fahren. Doch die auf Hochglanz gebrachte Dampflok musste im Depot in Salzwedel bleiben. Die extrem hohe Waldbrandgefahr verhinderte in jenem Jahr ihren Einsatz.

Als Ersatz wurde eine Elektrolok der Baureihe 44 aus Dessau vorgespannt, die den Sonderzug mit lockeren 90 Stundenkilometern in die Partner-Hansestadt Uelzen und schließlich auch wieder zurückzog.

VON BODO HABERMANN

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