Kommentar von Altmark-Redakteur Stefan Schmidt zur Leichtathletik-WM in Katar

Die Einzigen, die stören, sind offenbar die Sportler

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Jüngster Zehnkampf-Weltmeister aller Zeiten: Niklas Kaul krönte sich bei der Leichtathletik-WM in Katar zum König der Athleten.

Haben Sie in dieser Woche auch hin und wieder abends den Fernseher eingeschaltet und sind beim Durchzappen bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft hängen geblieben? Die findet diesmal in Katar statt. Vor leeren Rängen.

Weil der arabische Golfstaat zwar reich ist und dem Veranstalter satte Gewinne garantiert. Aber keinerlei Leichtathletik-Tradition hat. Also guckt auch niemand zu. Und feuert fast keiner die Athleten an.

Nun gut, könnte man meinen: Wenn ich in einem Land leben würde, in dem tagsüber bis zu 50 Grad herrschen und die Luftfeuchtigkeit schlappe 80 Prozent beträgt, könnte ich mir auch andere Freizeitaktivitäten vorstellen als Kugelstoßen, Hammerwurf und Marathonlauf. Genau das müssen die Athleten bei dieser Weltmeisterschaft aber trotzdem tun – und kippen reihenweise um. Und das bei Starts sogar um Mitternacht, weil es dann nicht mehr ganz so glutofenheiß ist. Aber auch kein Zuschauer mehr da ist, der sie anfeuert. Oder möchten Sie sich nachts um 2 Uhr an den Straßenrand stellen und irgendwelche Läufer beklatschen?

In drei Jahren findet im selben Katar die nächste Fußball-Weltmeisterschaft statt. Im Dezember, also kurz vor Heiligabend. Weil man gleich nach der korruptionsumwitterten Vergabe des Turniers festgestellt hat: In Katar ist es im Sommer so heiß, dass an Fußballspielen – und Zugucken von der Tribüne aus – nicht zu denken ist. Die aberwitzige Entscheidung für Katar 2022 wäre in etwa so, als wenn der Ski-Weltverband seine Titelkämpfe ins schwarzafrikanische Kamerun vergibt und anschließend erschreckt feststellt: Huch, da liegt ja gar kein Schnee.

Am meisten leid tun mir in diesen Tagen die Sportler. Sie quälen sich monate- und jahrelang für dieses Großereignis und laufen, springen und werfen dann fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Hat man sie eigentlich vorher gefragt, was sie von einem solchen Austragungsort und den klimatischen Bedingungen vor Ort halten? Nein. Ebenso, wie kein Fußballer gefragt worden ist, ob er im Jahr 2022 bei 50 Grad in der Wüste kicken will.

Sportereignisse wie die derzeitigen Leichtathletik-Welttitelkämpfe und auch die baldige Fußball-Weltmeisterschaft in Katar könnten so schön und so perfekt sein. Dummerweise gibt es da noch die Sportler. Die stören irgendwie.

VON STEFAN SCHMIDT

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